INTERVIEW | Park Shaper Carlo Rusterholz, in mitte der Olympischen Spiele!

Als Schweizer Snowpark Shaper vom Snowpark Arosa Lenzerheide, gehört er zu den fünf auserwählten, welche den Kurs der Kategorie Slopestyle an den diesjährigen olympischen Spielen bauen und unterhalten. Carlo Rusterholz blüht förmlich auf wenn es um seine grosse Leidenschaft, dem Park shapen geht. Man bemerkt schon nach nur ein paar Minuten Gespräch, dass hier mehr als nur ein Talent verborgen ist, vielmehr ist es tiefes Herzblut welches Carlo nach Südkorea zog. Dort angekommen, schenkt Carlo uns einen Einblick hinter die Kulissen des grossen Olympiatrubels. Wobei er seine Erlebnisse mit uns teilt und uns erklärt was es genau ist, dass in nächtelang bei minus 17 Grad da draussen hält!

Angekommen in Pyeongchang, Südkorea, erlebst du ganz persönlich den Aufbau des Slopestyle Kurses für die Olympischen Winterspiele 2018. Wie fühlt es sich an einer dieser wenigen Shaper zu sein, welcher auserwählt und somit eingeladen ist vor Ort mit zu arbeiten?

Es fühlt sich fantastisch an, ich kann mich glücklich schätzen! Es ist schon die zweite Olympiade bei der ich mitwirken darf, vor vier Jahren in Sochi und jetzt hier in Pjyeongchang. Es gibt so viele gute Shaper, ich denke mein Vorteil ist, dass ich schon so lange in diesem Geschäft arbeite und schon an so vielen Orten auf dieser Welt war um Parks zu bauen! Ich konnte mir also über die Jahre gute Beziehungen aufbauen. Ausserdem können viele Shaper während der Hauptsaison überhaupt nicht von ihren Parks weg. Ich bin froh, so einen kulanten Arbeitgeber zu haben und so gute Freunde, die extra die 5 Wochen in denen ich in Südkorea bin, zu mir nach Arosa kommen, um meinen Park am laufen zu halten. Danke an euch!!!!

Kurz zurück zu deinen Wurzeln, du bist schon seit gut zehn Jahren im Winter tätig als Snowpark Shaper. Was bedeutet dir dieser Beruf und wie muss man sich den Alltag eines Shapers vorstellen?

Shaper sein ist meine Berufung und meine Leidenschaft. Dazu bedeutet es für mich endlose Kreativität, in welchem Beruf hat man das schon! Ich glaube dass keine Minute vergeht, ohne irgendeinen Gedanken, bezüglich meines Parks und meiner Arbeit. Mein Alltag besteht daraus, mit meinem Board ein paar Runden durch den Park zu drehen. Wobei mir dabei die besten Ideen für neue Features in den Sinn kommen und ich herausfinden kann was sich noch optimieren lässt. Um 17:00 Uhr steige ich dann in meine Parkmaschine um alle Kicker und Features wieder in Form zu bringen. Ca. um 02:00 Uhr in der Nacht mache ich Feierabend und fahre dann mit meinem Board bis vor meine Haustür. Es ist jedoch klar das für Leute, die nicht gerne alleine sind, dieser Job nicht unbedingt zu empfehlen ist!

Welche Qualitäten benötigt ein Shaper, um an den Olympischen Spielen involviert zu sein?

Ich denke man benötigt viel Geduld, Leidenschaft, Berufsstolz, Präzision, Erfahrung und gute Teamfähigkeiten! Wobei man jedoch immer wieder mal an seine persönlichen Grenzen kommt. Die Verhältnisse sind überall unterschiedlich, man muss anpassungsfähig sein und arbeitet bei solchen Events viele Stunden um die Qualität auf dem höchsten Level zu halten.

Nach gut elf Stunden Flug, hast du jetzt den einen oder anderen Tag schon erlebt in Pyeongchang, Südkorea. Wie ist die Atmosphäre und was genau ist dein Aufgabenbereich?

Südkorea ist sehr spannend für mich, die Kultur unterscheidet sich extrem von Europa, es gibt also viel zu entdecken und zu erleben. Das Volk ist unglaublich freundlich und alle sind sehr zuvorkommend.

Der grösste Unterschied zu europäischen Skigebieten sind definitiv die Öffnungszeiten! Das Skigebiet und der Phoenix Park, in dem ich arbeite, hat normalerweise bis 04:00 Uhr morgens geöffnet! Die Leute fahren also fast die ganze Nacht, wobei auch noch spannend zu sehen ist das es hauptsächlich Snowboarder gibt und Skifahren scheinbar nicht sehr cool ist.

Die Crew mit der ich arbeite isst jeden Abend zusammen, meistens gibt’s ein sehr feines koreanisches BBQ. Hier bekommen wir eine Art Tischgrill und können dabei schön beisammen sitzen, wobei jeder sein Fleisch und Gemüse selbst grillieren kann. Fühlt sich ein bisschen so an, wie ein gemütlicher Fondue- oder Racletteabend bei uns in der Schweiz.

In meinem Team sind wir 5 Maschinenfahrer und 5 Handshaper, dazu kommen noch viele Handshaper von Südkorea, die von verschiedenen Snowparks auserwählt worden sind. Ich werde überall eingesetzt. Nachdem wir in den ersten Tagen den Schnee grob an die richtigen Orte geschoben haben, geht’s jetzt an den Feinschliff, d.h. wir teilen uns in Sektionen ein und fangen an die verschieden Kicker und Flowlines zu shapen.

Sprünge, Rails und Landungen in Form zu halten, ist für viele ein Thema über welches sie sich kaum Gedanken machen. Für einen Fahrer oder eine Fahrerin sind hierbei jedoch schon leichte Veränderungen extrem spührbar. Wie würdest du diese Perfektion aus deiner Sicht beschreiben?

Perfektion bedeutet Sicherheit! Es ist extrem wichtig, dass die Fahrer sich auf unsere Arbeit verlassen können! Bei den Sprüngen, welche die Athleten ausüben, kann zum Beispiel jede Unebenheit in der Landung einen Sturz bedeuten. Deshalb muss immer alles in einem top Zustand sein!

Bei einem Kurs wie der Olympiade arbeiten wir mit Bauplänen wie bei einem Hausbau. Wir messen alles auf den cm genau ab,  jede Landung wird auf das Grad genau eingefräst. Wir haben insgesamt 160`000m3 Kunstschnee verbaut! Zum Vergleich für euch, der Park in Arosa braucht ca. 15.000m3.

Was sind deine persönlichen Ziele, welche du dir mit diesem Erlebnis setzt?

Mein Ziel ist es, so viel Neues zu lernen wie möglich. Wir sind ein internationales Team, jeder arbeitet ein bisschen anders, ich kann mir hier von jedem kleine Tricks abschauen. Ausserdem wäre es ziemlich nett, wenn sich im Anschluss weitere Projekte ergeben würden, damit ich auch in Zukunft an die verrücktesten Orte fliegen kann, um den ein oder anderen Kicker zu bauen.

Wie fühlt es sich an, nachdem der ganze Kurs steht und der Contest beginnt, zu sehen wie die weltbesten Fahrer und Fahrerinnen mit enormen Druck um den grössten Titel des Jahres kämpfen?

Eigentlich denkt sich jeder Shaper: „Toll, jetzt macht der Typ meine ganze Arbeit kaputt!“ – nein SCHERZ!! Es ist ein super Gefühl, wenn die Besten der Besten die krassesten Tricks zeigen und man sieht, was alles in so einem Kurs möglich ist. Die Fahrer hauchen meiner Arbeit das Leben ein und es macht mich unfassbar Stolz, wenn die Athleten mit einem Lächeln unten ankommen. Ich bin immernoch extrem fasziniert davon, wie hoch und weit man auf den BigAirs springen kann und könnte den ganzen Tag zuschauen! Ich glaube solange ich diese Faszination nicht verliere, weiss ich, dass ich mir den perfekten Job ausgesucht habe!

Viele Dank für deine Zeit – Carlo! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und jede Menge unvergessliche Erlebnisse.

Vielen Dank und bis bald in Arosa!!


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