Sie ist im Snowboarden nicht mehr weg zu denken, hat das Allgemeine Level der Frauen um weites erhöht und repräsentiert die Liebe zum Sport auf ihre ganz eigene Art und Weise! Zielstrebig und voller Energie werden wir noch einige Male durch Anna zum Staunen kommen,  wobei ihr Style und ihre Kreativität unglaublich bereichernd ist und immer sein wird. Wie Anna mit diesem Leistungsdruck umgeht und wie ihre letzten 9 Jahre Snowboarden ausgesehen haben, erzählt sie euch persönlich im Interview!

Deine Leidenschaft zum Snowboarden ist mit 18 Jahren im Durchschnitt eher spät entstanden, wie erklärst du dir diesen unglaublichen Weg dieser vergangenen fast 9 Jahren?

Anna: Na ja, ich denke, dass viel Leidenschaft und ein klarer Wille mir sehr geholfen hat. Ich habe schon als kleines Mädchen mit der akrobatischen Sportgymnastik begonnen, den Sport habe ich professionell bis in meine Jugend betrieben. Und als ich – zwar relativ spät – mit dem Snowboarden begann, war mir schnell klar, das ist genau mein Ding, genau das will ich machen! Nach der Matura habe ich dann meine Eltern überzeugt, dass ich mir eine Saison Zeit nehmen darf zum Snowboarden, diese habe ich in den USA verbracht (Mammoth) und in dieser Zeit viel gelernt.

Als junges Mädchen hast du deine freie Zeit mit dem Kunstturnen verbracht, wieso hast du diese Karriere beendet und was hast du aus dieser Zeit mitgenommen für das Snowboarden?

Anna: Ich mag die akrobatische Sportgymnastik immer noch sehr und wenn ich zu Hause bin, versuche ich immer wieder ein wenig mit meiner Schwester zu trainieren, die nach wie vor im österreichischen Nationalteam ist. Ich selbst habe damals irgendwann erkannt, dass ich in dem Sport meine Grenzen erreicht habe und es vermutlich nie an die Spitze schaffen werde. Die Gymnastik hat mir aber mit Sicherheit ein gutes Gefühl für Bewegungen und meinen Körper gegeben und auch eine gute Kontrolle in der Luft, die mir heute beim Snowboarden sehr hilft. Und ich habe gelernt, dass man mit einem klaren Ziel vor Augen vieles schaffen kann.

Du gehörst zu den besten SlopeStyle und Big Air Fahrerinnen der Welt, was bedeutet dir das Snowboarden jedoch ganz persönlich?

Anna: Am Snowboarden finde ich toll, dass man seine Kreativität einbringen kann und dass es im Grunde kein „Right or Wrong“ gibt, jeder kann für sich seinen eigenen Weg finden.

Mit dem von dir als erste Frau gestandenen Trick, dem «cab double cork» hat deine Karriere offiziell gestartet. Was hat sich seit diesem prägenden Moment bei dir verändert?

Anna: Das Video ging damals plötzlich um die Welt, das war schon sehr cool. Daraufhin haben viele Interesse an mir gezeigt und ich bekam viel mehr Chancen und Einladungen zu Contests. Das war also schon irgendwie der Startschuss für mich.

Viele unterschätzen das Snowboarden auf dem Spitzen Level noch immer, wie hältst du diesem Alltag stand, mit «jetlag», körperlichem und mentalem Training und vor allem diesem unglaublichen Druck bei der nicht schlafenden Konkurrenz?

Anna:  Den Ausgleich zum Reisen und ständig unterwegs zu sein, finde ich bei meiner Familie und Freunden zuhause am Millstätter See in Kärnten. Mamas Küche macht dann alles wieder weg  und auch ein wenig Gymnastik mit meiner Schwester tut mir immer wieder gut, um meine Batterien wieder aufzuladen. Das Reisen an sich kann schon anstrengend sein, da schau ich schon, dass ich immer wieder Zeit für Ruhepausen finde. Den Druck der Konkurrenz finde ich jetzt weniger schlimm, im Gegenteil, wir Mädels pushen uns gegenseitig. Es kommen so viele gute junge Mädels nach, da darf ich mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen, aber das empfinde ich eben als Motivation und das wirkt sich durchaus positiv auf mein Riding aus.

Als Spitzenreiterin, wurden deine Leistungen schon mehrfach mit Gold belohnt. Wie würdest du diesen Moment beschreiben, indem du deine Ziele im vollem Umfang erreichen konntest?

Anna: Die Big Air Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Südkorea war definitiv eine Riesen Erleichterung. Ich hatte schon richtig viel Druck – vermutlich durchaus auch von mir selber geschaffen – und das Slopestyle-Debakel in Korea hat die Situation noch einmal verschärft. Deshalb fiel mir ein Riesenstein von den Schultern, dass ich’s im Big Air dann geschafft hab. Die Medaille hab ich jetzt und die kann mir keiner mehr wegnehmen.

Was sind deine Ziele für die kommende Saison 2018`19?

Anna: Ein paar Contests stehen schon am Programm, aber weniger als in den vergangenen Jahren. Ich freu mich riesig, dass ich diese Saison endlich mehr Zeit im Backcountry verbringen werde für ein Filmprojekt, das ist total spannend. Natürlich will ich auch neue Tricks lernen und vor allem bei der Weltmeisterschaft in Park City meinen Titel verteidigen.


Anna Gasser: First ever triple | Video by Burton Snowboard

Wie siehst du die Entwicklung des weiblichen Teils der Snowboard Szene und wie würdest du die Freundschaften unter deinen Konkurrentinnen beschreiben?

Anna:  Es hat sich viele getan bei den Frauen, vor allem in den letzten Jahren. Wir zeigen Tricks, die auch die Männer machen und das ist gut so. Generell haben wir alle ein sehr freundschaftliches Verhältnis miteinander, natürlich sind wir während des Wettkampfs selbst Konkurrentinnen, jede gerne gewinnen, ist ja klar. Aber das schöne ist, wir freuen uns alle für diejenigen, die dann schlussendlich am Podium stehen.

Was bedeutet es für eine Sportlerin wie dich, auf einem solch hohen Level einen neuen Trick zu lernen? Ist die Mentale Vorbereitung ein fast gleich grosser Teil wie das effektive umsetzen auf dem Berg?

Anna: Wenn ich mir neue Tricks vornehme, visualisiere ich den Ablauf lange Zeit im Kopf, bevor ich sie das erste Mal auf Schnee versuche. Bis dahin hab ich den Ablauf schon total verinnerlicht. Auf dem Schnee gilt dann: Try and fail and try again – bis der Trick klappt!

Welchen Tipp würdest du der nächsten Generation geben, Frauen, die an ihrem Level arbeiten und ihr Snowboarden weiterbringen möchten?

Anna: Dranbleiben und nicht aufgeben! Wenn man ein klares Ziel vor Augen hat, wenn man etwas wirklich will, dann klappt es auch irgendwann damit!

 

@annagassersnow