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Augen auf bei Lawinengefahr – Teil 1: Lawinenarten!

Der ers­te Schritt durch den fri­schen Pul­ver­schnee, das lei­se Knir­schen unter den Tou­ren­ski, die kla­re Win­ter­luft – Skitouren/Splitboarden bedeu­tet Frei­heit pur. Immer mehr Frau­en ent­de­cken die­se beson­de­re Art, den Win­ter zu erle­ben: kraft­voll, ruhig und selbst­be­stimmt inmit­ten der Ber­ge unter­wegs sein. Doch wer die Schön­heit des Hoch­ge­bir­ges genies­sen will, soll­te auch sei­ne Kräf­te ken­nen – und ver­ste­hen, wie Lawi­nen ent­ste­hen.

In die­sem Blog­bei­trag erfährst du, wel­che Lawi­nen­ar­ten es gibt, wobei ich dir die ver­schie­de­nen Lawi­nen­ar­ten genau­er erklä­re und ers­te Tipps mit­ge­be. Mit dem rich­ti­gen Wis­sen wächst nicht nur dei­ne Sicher­heit, son­dern auch dein Selbst­ver­trau­en, eigen­stän­dig Ent­schei­dun­gen zu tref­fen – für genuss­vol­le und siche­re Ski­tou­ren­mo­men­te.

Let‘s go: Welche Arten von Lawinen gibt es?

Nach­fol­gend erklä­ren wir dir, in wel­chem Gelän­de und unter wel­chen Bedin­gun­gen Lawi­nen ent­ste­hen – und wodurch sie aus­ge­löst wer­den kön­nen.

Schneebrettlawine

Abbildung: Whiterisk / whiterisk.ch

Abbil­dung: White­risk / whiterisk.ch

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Schnee­brett­la­wi­nen erkennt man an einem brei­ten, lini­en­för­mi­gen Anriss. Sie ent­ste­hen, wenn eine gebun­de­ne Schnee­schicht – das soge­nann­te „Schnee­brett“ – auf einer insta­bi­len Schwach­schicht liegt und die­se Kom­bi­na­ti­on flä­chig genug vor­han­den ist. Um die Lawi­ne aus­zu­lö­sen, braucht es zusätz­lich eine Belas­tung, zum Bei­spiel durch einen Ski­tou­ren­ge­her: in, und der Hang muss min­des­tens 30° steil sein. Die Aus­lö­sung beginnt meist mit einem klei­nen Bruch in der Schwach­schicht, dem soge­nann­ten Initi­al­bruch, der sich schnell ent­lang der Schwach­schicht aus­brei­tet. Wie weit und schnell sich der Bruch aus­brei­tet, hängt von den Eigen­schaf­ten der Schwach­schicht und der dar­über lie­gen­den Schnee­schicht ab.

Wel­che Fak­to­ren braucht die Bil­dung eines Schnee­bret­tes?

  • Hang­nei­gung von mind. 30 Grad ​
  • Schwach­schicht in der Schnee­de­cke ​
  • Gebun­de­ner Schnee

Schnee­brett­la­wi­nen zäh­len zu den gefähr­lichs­ten Lawi­nen und sind für über 90 % der Lawi­nen­op­fer ver­ant­wort­lich. Dabei müs­sen sie nicht beson­ders groß sein, um lebens­be­droh­lich zu wer­den: Sie errei­chen sehr schnell hohe Geschwin­dig­kei­ten. Wer ein Schnee­brett aus­löst, befin­det sich meist direkt im Gefah­ren­be­reich und wird häu­fig von der Lawi­ne mit­ge­ris­sen.

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Gra­fi­ken: ortovox.com

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Abbil­dung: White­risk / whiterisk.ch

Lockerschneelawine

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Abbil­dung: White Risk / whiterisk.ch

Lock­erschnee­la­wi­nen begin­nen an einem Aus­lö­se­punkt und brei­ten sich hang­ab­wärts aus, indem der abrut­schen­de Schnee immer mehr Schnee mit­reißt. Sie tre­ten häu­fig wäh­rend oder kurz nach Schnee­fall oder bei star­ker Erwär­mung auf. Bei tro­cke­nem Pul­ver­schnee ist für die Aus­lö­sung meist eine Hang­nei­gung von etwa 40° nötig. Bei nas­sem Schnee kön­nen Lock­erschnee­la­wi­nen jedoch in anhal­tend stei­lem Gelän­de beacht­li­che Grö­ßen errei­chen.

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Text — Feli­ci­tas Fel­ler

Oft lösen sich Lock­erschnee­la­wi­nen spon­tan, ohne dass ein Win­ter­sport­ler betei­ligt ist. Sie sind weni­ger gefähr­lich als Schnee­brett­la­wi­nen und ver­ur­sa­chen weni­ger als 10 % der Lawi­nen­op­fer. Dies meist im Som­mer, wenn Berg­stei­ger in stei­lem Gelän­de von der Lawi­ne mit­ge­ris­sen wer­den. Wenn ein Skifahrer*in oder Snowboarder*in eine Lock­erschnee­la­wi­ne aus­löst, kommt es in der Regel nicht zu einer Ver­schüt­tung – die Lawi­ne läuft unter ihm ab und die Schnee­mas­sen sind meist rela­tiv gering.

Gleitschneelawine

Gleit­schnee­la­wi­nen ähneln Schnee­brett­la­wi­nen durch ihren brei­ten, lini­en­för­mi­gen Anriss, jedoch rutscht die gesam­te Schnee­de­cke ab. Mög­lich ist das nur auf glat­tem Unter­grund, wie etwa abge­leg­tem Gras oder Fels­plat­ten. Je stei­ler der Hang, des­to eher kann der Schnee ins Glei­ten gera­ten.

Es gibt zwei typi­sche Wege, wie die Schnee­de­cke unten ange­feuch­tet wird:

  1. Von unten im Hoch­win­ter: Die Schnee­de­cke ist kalt und tro­cken, der Schnee wird durch den war­men Boden geschmol­zen oder nimmt Feuch­tig­keit aus dem Boden auf. Unter die­sen Bedin­gun­gen kön­nen Gleit­schnee­la­wi­nen zu jeder Tages- und Nacht­zeit auf­tre­ten.
  2. Von oben im Früh­ling: Die Schnee­de­cke erreicht 0 °C, Schmelz­was­ser und Regen sickern durch die gesam­te Schnee­de­cke und errei­chen die Basis. Gleit­schnee­la­wi­nen tre­ten dann häu­fig par­al­lel zu Nass­schnee­la­wi­nen auf, oft in der zwei­ten Tages­hälf­te.

Meist beginnt das Glei­ten lang­sam und es ent­ste­hen zunächst Gleit­schnee­ris­se, die soge­nann­ten „Fisch­mäu­ler“. Aus ihnen kann plötz­lich eine Gleit­schnee­la­wi­ne ent­ste­hen.

Tou­ren­tipp: Da der genaue Zeit­punkt nicht vor­her­seh­bar ist, soll­te man sich in der Nähe von Fisch­mäu­lern nie­mals län­ger als unbe­dingt nötig auf­hal­ten – weder unter­halb noch seit­lich davon.

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Abbil­dung: White­risk / whiterisk.ch

Nassschneelawine

Nass­schnee­la­wi­nen tre­ten vor allem im Früh­ling auf, wenn Plus­gra­de, Regen oder star­ke Son­nen­ein­strah­lung die Schnee­de­cke durch­feuch­ten. Das Was­ser dringt in tie­fe­re Schich­ten ein und schwächt die Bin­dung zwi­schen ihnen – die Schnee­de­cke ver­liert ihre Sta­bi­li­tät. Häu­fig ent­ste­hen sol­che Lawi­nen spon­tan, etwa aus Schnee­bret­tern oder Lock­erschnee­la­wi­nen. Beson­ders gefähr­det sind Regio­nen mit schwa­chem Schnee­de­cken­auf­bau. Die Lawi­nen­ge­fahr nimmt im Tages­ver­lauf deut­lich zu, vor allem auf son­nen­ex­po­nier­ten Hän­gen. Da die Schnee­de­cke durch­nässt und dadurch schwer und rut­schig wird, kön­nen Nass­schnee­la­wi­nen lebens­ge­fähr­lich sein. Im Früh­jahr ist die Lage oft kom­plex – schon klei­ne Unter­schie­de in Höhe, Hang­nei­gung oder Expo­si­ti­on kön­nen über Sta­bi­li­tät oder Gefahr ent­schei­den.

Tou­ren­tipp: Früh die Ski­tour begin­nen – Früh von der Ski­tour zurück sein.

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Abbil­dung: White­risk / whiterisk.ch

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