In Lima surfen? Ja, das ist möglich – momentan wegen Covid-19 zwar gerade nicht. Daran zu denken, zu planen und schwärmen ist bereits jetzt erlaubt. Und vielleicht kannst du diese Surfreise-Pause gerade nutzen, um deinen nächsten Surftrip zu planen. Das Spezielle an Lima: Bleibt der swell mal aus (eher unwahrscheinlich) oder passen dir die Konditionen nicht, bietet dir die Metropole diverse Möglichkeiten, dich anderweitig zu beschäftigen. Ein kurzer Spaziergang durch die City bringt dich direkt ins Wasser – mit ganz viel Freude an diversen Surfspots.

Covid-19 wütet momentan leider immer noch auf der ganzen Welt. Auch Peru hat es ziemlich heftig getroffen. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl traf es nirgends so viele Leute wie in Peru. Ein peruanischer Kollege berichtete mir, dass in Lima das Surfen zwischenzeitlich gar nicht erlaubt war, dann jeweils nur sonntags nicht mehr. Am Sonntag durfte sogar niemand aus dem Haus. Nun wurde erneut etwas gelockert, sodass am Sonntag gesurft und geradelt werden darf. Es ist aber nicht erlaubt, mit dem Auto zu fahren. Mein Kollege findet sich sehr gut damit zurecht, denn er wohnt nur wenige Gehminuten von Surfspots entfernt.

Text & Bilder von Michèle Hungerbühler

Und ja, in Lima kann man surfen! Als ich meinen Kollegen berichtete, dass ich auf meiner letztjährigen Reise durch Südamerika in Lima einen längeren Stopp einlegen möchte, um zu surfen, haben mich zuerst viele mit grossen Augen angeschaut. In Lima kann man surfen? Ja, absolut! Denn die peruanische Grossstadt befindet sich direkt am Meer.

Sandstrände sind in Lima jedoch keine zu finden. Erst etwas weiter südlich oder nördlich der Metropole kann man am Meer den Sand unter den Füssen wieder spüren. Fürs Surfen spielt das aber ja eigentlich keine Rolle. Fürs Sonnenbaden am Steinstrand mit einer Autostrasse gleich daneben, eignet sich Lima aus meiner Sicht jedoch eher weniger. Da gibt es südlich in Punta Hermosa definitiv ruhigere Örtchen.

Nach einem schmalen Steinstrand führt eine Hauptstrasse direkt neben den Surfspots der Küste entlang .

Wer das Grossstadt-Feeling schätzt und das Surfen liebt, ist hier aber genau richtig. In Lima gibt es alles: Museen, grüne Parks, eine Promenade über dem Meer, Kino/Theater, historische Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Cafés, Kulturevents, Skateparks, Shopping (Märkte und Malls), Partys…und eben Surfen.

Ich habe mir letztes Jahr im März für einen Monat ein Zimmer in einer WG im Stadtteil Miraflores gemietet und von da diverse Surfspots mit 10-15min Fussweg erreicht – inkl. kleinem Warm-up sowie Cool-down durch die Treppenverbindung von der Promenade/Malécon hinunter oder hinauf zum Surfspot.

Und wenn der gewünschte Surfspot etwas weiter weg von der Unterkunft liegt, gibt es Uber. Mit einem netten „Hola, todo bien?“ und freundlichem Fragen, ob man den Beifahrersitz etwas nach hinten schieben kann, um so das Brett im Auto mitnehmen zu können – klappt das meistens bestens.

Wellen an der Costa Verde sind meist soft und klein, machen jedoch sehr viel Spass. Ein kurzer Spatziergang von der City und schon bist du im Wasser mit viel Freude. Surfbar sind die Wellen da vor allem bei kleinem bis mittlerem oder anfangs grösserem swell und eignen sich bestens für Shortboards.

Wo man in Lima überall surfen kann? Hier eine Übersicht der diversen Spots mit deren Eigenheiten und für wen die Welle geeignet ist:

Stadtteil Miraflores/Zentrum Lima

Makaha Beach –Direkt neben dem Pier und dem Restaurant “Rosa Nautica”, im vorderen Teil des Steinstrandes, befindet sich am Makaha Beach eine weiche, kleine und auf alle Seiten surfbare Welle – perfekt für Anfänger. Ebenfalls sind dort diverse Surfschulen zu finden, bei denen man Lektionen buchen oder ein Brett mieten kann.

Auch etwas erfahrenere Surfer finden hier ihren Spass. Weiter weg vom Pier, rechts hinten, entsteht die Welle „La Reventazon“, die etwas stärker ist. Makaha Beach eignet sich in diesem Sinne eigentlich gut für Paare oder Kolleginnen mit unterschiedlichen Surfleveln – jede findet hier ihre Welle.

Redondo Beach –Dieser Spot befindet sich auf der linken Seite des Piers. Es ist mehrheitlich eine linke Welle die hier entsteht, gut bei mittelgrossem Swell und ebenfalls bestens für Anfänger bis Intermediates geeignet.

Rechts neben dem Pier befindet sich Makaha Beach, links daneben Redondo Beach.

Pampilla und Punta Roquitas

Diese beiden waren meine „Heim-Surfspots“, da sie von meiner Unterkunft bestens zu Fuss und durch Treppenverbindung von Miraflores zum Meer erreichbar waren.

Pampilla – umgangssprachlich auch “Pampi” genannt – hat eine gute “right” mit 1ft. bis an grösseren Tagen sogar zu 6ft. Die lange rechte Welle bietet Zeit für Manöver und ist eine weiche Welle für Intermediate- und auch Advanced-Levels.

Auf der rechten Seite von Pampilla liegt Punta Roquitas mit diversen peaks für rechte und linke Wellen, für Intermediate- und Advanced-Levels. An diesem Surfspot fanden auch schon Meisterschaften statt, z.B. die letztjährigen Panamerikanischen Spiele.

Punta Roquitas kann dank den Scheinwerfern auch noch nach Sonnenuntergang gesurft werden.

Bei Pampilla, Punta Roquitas und Makaha Beach hat es oft Damen mit einem „Wägeli“, denen man Rucksack oder Tasche gegen ein kleines Taschengeld abgeben kann und die während deiner Surfsession auf die Wertsachen aufpassen.

Stadtteil Barranco

Barranquito und Yuyos – Beide Spots sind gut für Anfänger. Dort werden ebenfalls Bretter verliehen und Surflektionen angeboten. Yuyos ist eine rechte Welle auf Höhe des „Navy Piers“ und funktioniert bei mittlerem bis grösserem Swell.

Stadtteil Chorrillos

La Herradura Beach – Viele sagen, dass dies wohl die beste Welle Perus sei und denjenigen in Hawaii ähnelt – aber nur an Tagen mit grossem swell. Dieser erreicht La Herradura ungefähr ab April. Die Locals sagen dann: „Herradura is born“. Der Spot liegt im Distrikt Chorillos, ca. 15-20 Autominuten von Miraflores entfernt. Diese Welle empfiehlt sich nur für wirklich erfahrene Surfer, da es eine grosse, starke Welle ist, die direkt neben dem Steinufer eine „Linke“ formt. Der Pointbreak kann bei grossen Tagen Wellen von 6-12ft. produzieren. Bei kleinerem Swell von 6ft. können auch Intermediates ihr Glück versuchen.  Hier surft man mit einem grossen Brett. Ein Kollege rät bei 6-9ft. Wellen ein 6‘6“ oder 7‘ grosses Surfbrett zu nehmen, bei 12ft. grösser. Zudem sind kräftige Arme für starkes Paddeln von Vorteil.

Vom Parkplatz aus muss man zu Fuss, entlang einer Schotterstrasse, zum Surfspot gehen. Chorrillos gilt zudem als ein eher etwas gefährlicheres „Quartier“. Besser keine Wertsachen im Auto hinterlassen oder schauen, dass eine Aufsicht da ist.
Wenn Herradura „läuft“, kann es auch mal ganz schön voll werden und etwas harscher her und zu gehen.

Triangulo Beach – Auch dieser Spot ist für grösseren Swell geeignet. Es ist eine wunderbare „Rechte“, für Basis- bis Intermediate-Level.

Bei grösserem Swell laufen nur La Herradura oder Triangulo. Wenn du noch nicht ready bist für Herradura, auf nach Triangulo, um Spass zu haben!

…und dies sind nur diejenigen Surfspots, die sich unmittelbar in der Stadt Lima befinden. Gehst du nur ein bisschen weiter Richtung Süden oder Norden, eröffnen sich eine Menge weiterer Optionen. Enjoy and explore! Und nun hoffen wir auf ein baldiges „Hola, Peru“!

Weiter südlich von Lima, in der Region von Punta Hermosa, gibt es noch ganz viele weitere Surfstrände – echte Sandstrände mit wunderbaren Wellen, wie zum Beispiel hier in San Bartolo.