Das neue Petzl GriGri+ im Praxistest: Mehr Sicherheit und einfachere Bedienung?
Das GriGri gehört seit Jahren zu den beliebtesten halbautomatischen Sicherungsgeräten im Sportklettern. Mit dem neuen GriGri+ hat Petzl einige Funktionen überarbeitet, die insbesondere für Ausbildungssituationen, Anfänger:innen und wechselnde Sicherungspartner interessant sein dürften.
In den letzten Wochen konnte ich das Gerät intensiv testen – sowohl beim Toprope-Klettern als auch beim Vorstieg. Besonders spannend war für mich die Frage: Welche Vorteile bringt das neue GriGri+ tatsächlich in der Praxis? Wobei ich euch das gerne hier zusammentrage.


Die neue Toprope-Einstellung: Einfacher und intuitiver
Eine der grössten Änderungen betrifft die Assist-Funktion für das Toprope-Sichern. Im Vergleich zu früheren Versionen wurde die Einstellung deutlich vereinfacht. Das wirkt zunächst wie ein kleines Detail, hat in der Praxis aber einen grossen Einfluss auf die Bedienung der Gerätes.
Beim Sichern können die Hände nun wesentlich natürlicher und paralleler geführt werden. Dadurch wird ein häufiger Fehler reduziert: Die Sicherungshand steigt beim Seileinziehen nicht so leicht über die Höhe des Sicherungsgeräts. Gerade bei Einsteiger:innen beobachte ich diesen Bewegungsablauf regelmässig.
Mein persönlicher Eindruck
Für Ausbildungssituationen empfinde ich diese Änderung als echten Gewinn. Die Bedienung wirkt intuitiver und die Sicherungsbewegung insgesamt sauberer, was toll ist.
Tipp: Die Aktivierung der Assist-/Toprope-Funktion sollte man sich trotzdem genau anschauen. Obwohl ich das System mittlerweile sehr logisch finde, musste ich mehreren erfahrenen Sportkletterern die Einstellung zunächst erklären. Das zeigt, dass die Funktion nicht unbedingt selbsterklärend ist.
Verbesserte Panikfunktion beim Ablassen
Eine weitere interessante Neuerung betrifft die Panikfunktion.
Bei älteren Geräten konnte die Panikblockierung teilweise durch weiteres Ziehen am Hebel umgangen werden. Das neue GriGri+ verhält sich hier deutlich konsequenter.
Wird der Hebel zu weit gezogen, blockiert das Gerät. Um weiter abzulassen, muss der Hebel aktiv wieder in die richtige Position zurückgeführt werden.
Warum ist das relevant?
Gerade in Stresssituationen oder bei unerfahrenen Sichernden sorgt diese Änderung für zusätzliche Sicherheit. Das System fordert bewusstes Handeln statt reflexartiges und manchmal unbewusstes Weiterziehen.
Aus meiner Sicht ist das besonders wertvoll in Kursen, Kletterhallen und bei Sicherungspartnern mit wenig Erfahrung.
Für wen eignet sich das neue GriGri+?
Nach meinen Tests sehe ich die grössten Vorteile bei:
- Klettereinsteiger:innen
- Familien mit Kindern
- Kletterkursen
- Vereinen
- Bergschulen
- Personen, die sowohl Toprope als auch Vorstieg sichern möchten
Als Bergführerin in Ausbildung schätze ich besonders die zusätzlichen Sicherheitsreserven und die vereinfachte Handhabung.
Gibt es auch Nachteile?
Ja, einen kleinen Punkt habe ich festgestellt:
Wenn sehr leichte Personen – beispielsweise Kinder – abgelassen werden, greift die Blockierfunktion relativ früh. Als erfahrene Kletterin empfinde ich das manchmal als leicht störend, weil ich gewohnt bin, sehr fein und flüssig zu dosieren.
Für die meisten Anwender:innen wird das jedoch kaum ins Gewicht fallen. Im Gegenteil: Die zusätzliche Sicherheitsreserve dürfte für viele eher ein Vorteil sein.
Mein persönliches Fazit im Beruf als Bergführerin

Das neue GriGri+ überzeugt mich vor allem durch seine durchdachten Sicherheitsverbesserungen.
Die vereinfachte Toprope-Einstellung und die konsequentere Panikfunktion machen das Gerät besonders attraktiv für alle, die Wert auf eine möglichst sichere und intuitive Bedienung legen.
Für erfahrene Kletter:innen gibt es Situationen, in denen die sensible Blockierung etwas gewöhnungsbedürftig sein kann. Insgesamt überwiegen für mich die Vorteile jedoch deutlich.
Mein persönliches Urteil: Ein starkes Update eines bewährten Sicherungsgeräts – insbesondere für Ausbildung, Hallenklettern und alle, die Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit in den Vordergrund stellen.


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