Für viele von uns ist es eine grosse Hürde, das Skaten. Eine Überwindung, die leider auch heute noch einige nicht wagen, der Kontakt mit dem Asphalt, die Menschen dahinter, oder ganz einfach diese innere Blockade, die Angst! Das Skaten hat sich jedoch in den vergangenen 10 Jahren unglaublich entwicklet. Wobei wir Frauen uns erstmals diesen Platz freiräumen mussten, dieses Anrecht – den Respekt, um der wichtigen Freude am Sport Vorrang zu lassen. Einen Prozess, der jedoch vielen Frauen heute die Möglichkeit gibt, diese Leidenschaft durch und durch zu leben!

Bei meinem Treff en mit Joani Ebersold, durfte ich eine ganz neue Seite dieser Leidenschaft des Skatens erleben. Eine unglaublich positive und unvoreingenommene Seite, die mir zeigt, dass dieser Weg der letzten 10 Jahre tiefe Wurzeln geschlagen hat. Joani wurde durch andere weibliche Skaterinnen auf ihrer Schule inspiriert, wollte dies direkt auch selbst ausprobieren und ist seit diesem Zeitpunkt kaum mehr von ihrem Skateboard gewichen. Sie realisierte jedoch schnell, dass sie mehr wollte, als nur von A nach B zukommen! “Ich habe mich einfach vorgestellt, gezeigt, dass ich skaten wollte und lernte so einige Jungs kennen, mit denen ich oft auch heute noch skate!” – so Joani. Ein Mut, welchen ich vor 10 Jahren leider nicht hatte, bemerkenswert. Im Alter von dazumal 16 Jahren! Doch müssen wir uns wirklich immer diesen Mut nehmen, um das zu, tun was wir wirklich wollen? Oder sollte es mehr eine Selbstverständlichkeit sein, der wir nachgehen? In einer Sportart, die so männerdominiert ist, oder auf jeden Fall war, eine schwierige Frage! Im Gespräch mit Joani spürte ich jedoch immer wieder diese Positivität, in welcher sie mehrfach betonte: “Wenn die Jungs sehen, dass du es wirklich willst, nicht hier bist, um den Lifestyle zu zelebrieren, sondern um wirklich zu skaten und Neues zu lernen, erhältst du auch den gewünschten Respekt!”

Ich wollte jedoch genauer wissen, wie sie die Schweizer Skate-Szene so wahrnimmt. Ob es Unterschiede der verschiedenen Städte gibt, dem französischen oder italienischen Teil der Schweiz! “Klar gibt es die!” – Meint Joani, in einigen Städten spürt man mehr Offenheit als in anderen. Im Allgemeinen jedoch, wird man überall respektiert und Willkommen geheissen, so lange man respektvoll und offen mit den Menschen vor Ort umgeht. Das skaten in verschiedensten Skateparks oder an Street Spots, öffnet einem wirklich die Möglichkeit zu wachsen, menschlich wie auch skatetechnisch! Durch Joanis Erzählungen bin ich überzeugt, auch wenn es diverse Crews in all den möglichen Städten gibt, am Ende des Tages die Leidenschaft eine Gemeinschaft bedeutet.

Eine Crew zu haben, in der man sich zutiefst wohlfühlt und zu 100% man selbst sein kann, ist jedoch noch immer unersetzbar. Wie in allen Sportarten, macht es gemeinsam einfach mehr Freude. Auf einem Skateboard zu stehen, gemeinsam durch die Stadt zu rollen und unbeschwert den Tag zu geniessen, löst ein unglaublich starkes Gefühl von Zusammenhalt aus. Eine Familie mit der man alles teilt, jede freie Minute verbringt und zusammen diesen Lebensstil lebt. “Mit meinen Girls ist es noch einfacher, vergleichbarer, wobei über alles gesprochen werden kann, eine Verbindung, welche mit Jungs wahrscheinlich gar nicht möglich ist! Dazu zelebrieren wir die Freude einfach anders, wir realisieren auch die kleinen Fortschritte, feiern uns und wissen halt einfach genau was für eine Überwindung notwendig war, oder wie die momentane Laune entstanden ist.” – so Joani.

Die Skate Crews der Schweiz feiern diesen Lebensstil jedoch immer mehr gemeinsam. Führen Events zusammen durch und brechen so die letzten Hürden, für eine grössere Gemeinschaft! Die Crew von Joani, auch genannt Shreddermoes, ist darum immer mehr ein wichtiger Bestandteil. Ein wichtiges Vorbild für andere Mädchen und Frauen und eine Repräsentation vom Ganzen! Eine Entwicklung der weibliche Skate Szene, die mich ganz persönlich immer wieder aufs Neue begeistert. Auch Joani erzählt, dass sie in diesen letzten 5 Jahren skaten realisierte, dass weibliche Vorbilder wichtig sind. Vorbilder die enorm gewachsen sind und weltweit bestehen. Eines dieser Vorbilder für Joani ist Fabiana Delfi no, eine Persönlichkeit, die wir wahrscheinlich nie kennenlernen werden, die uns jedoch Power und Inspiration schenkt, auch aus tausenden Kilometern Entfernung!

Mein Fazit von diesem Treff en mit Joani zeigt einfach einmal mehr, dass weniger Sorgen – mehr Freude bedeutet! Man sich selbst und die Menschen um sich nicht allzu ernst nehmen sollte, die freie Meinung anderer auch mal im Raum stehen bleiben darf und man sich besser auf die eigene Leidenschaft konzentriert. Denn Skaten, egal ob auf dem Cruiser, im Street Bereich, oder beim Longboarden, ist eine ganz persönliche Art der Kunst. Kunst die man durch und durch fühlen sollte, mit der man sich selbst repräsentiert und bei der man Spass hat!

Text & Foto: Tanja Angst/ Chixxs on Board