Lisa Bunschoten. Wem dieser Name noch kein Begriff ist, der sollte ihn sich merken. Während wir uns alle noch ausmalen müssen, wie es sich ungefähr anfühlen muss, nach einem harten Wettkampf auf einem Podest zu stehen, unseren Namen aufgerufen bekommen zu hören, eine Medaille überreicht zu bekommen und überglücklich zu sein, es geschafft zu haben, ist das für Lisa längst nicht mehr nur ein Traum. 2018 holte sie sich bei den Paralympics in Pyeongchang in Südkorea Silber im Snowboardcross und Bronze im Banked Slalom. Zudem wurde sie 2019 doppelte World Champion in beiden Kategorien. Sie ist ein Vorbild für viele von uns, die wir das Snowboarden lieben.

Silke Avancini im Interview mit Lisa Bunschoten

Seit Lisa 14 Jahre alt ist, steht sie auf dem Brett. Seit Geburt, fehlt ihr am linken Bein der Wadenknochen (Fibula Aplasie), wodurch sich ihr Unterschenkel nicht gleich lang entwickelte. Da deshalb Skifahren nicht möglich war, schlug ihr Bruder ihr snowboarden vor, was perfekt passte. Sie verliebte sich in diesen Sport. Und diese Leidenschaft blieb, auch, als ihr zwei Jahre später der Unterschenkel amputiert werden musste. Heute ist Lisa 24 Jahre alt, war 2014 bei ihren ersten paralympischen Winterspielen dabei und hat es sich zum Ziel gesetzt bei der nächsten Weltmeisterschaft 2021 und Paralympics 2022 in Bejing ganz vorne dabei zu sein. Sie lebt zurzeit in Arnhem (NL) und studiert Health and Nutrition.

Silke: Seit zehn Jahren fährst du nun schon Snowboard. Was liebst du am Meisten daran?

Lisa: Die Sache mit dem Snowboarden, die ich am meisten liebe, ist die Freiheit, die sie mir gibt. Das zu tun, was ich in der Natur am meisten liebe, ist einfach ein wirklich gutes Gefühl.

Wie sieht bei dir eine Saison normalerweise aus und wie bereitest du dich darauf vor? Fährst du dazu irgendwo in die Berge oder trainierst du in einer Halle?

Im Sommer trainiere ich im niederländischen olympischen Trainingszentrum Papendal. Neben dem Kraft- und Konditionstraining, das ich dort mache, mache ich viele Crossover-Sportarten wie Mountainbiken, Surfen, Skateboarden und so weiter. Im Herbst und Winter verbringe ich viel Zeit in den Bergen für Wettkämpfe und zum Training im Schnee.

Was für eine Ausrüstung fährst du? Bekommst du jede Saison eine neue gesponsert? 

Bei meinen Rennen verwende ich maßgeschneiderte Rennbretter, ich bekomme diese aber nicht gesponsert und zum Glück brauche ich nicht jedes Jahr neue. Aber für Freeride-Boards fahre ich ein Burton Story Board und ich liebe es!!

„Ich liebe Snowboarden und Rennen. Ich mag das Gefühl, Fortschritte zu machen und hart zu arbeiten, um das Beste aus mir herauszuholen.“

In der Schweiz hat Parasnowboarding bisher leider noch ein sehr kleines Publikum. Auch gibt es zurzeit keine AthlethInnen in dieser Kategorie. Wie empfindest du die Entwicklung und das Interesse für deinen Sport im Allgemeinen?

Ich sehe, dass sich das Fahrniveau in unserem Sport in den letzten Jahren stark verbessert hat, aber wir brauchen immer noch mehr Mädchen in unserem Sport. Aus diesem Grund haben Renske van Beek (einer meiner Teamkollegen) und ich Adaptive Board Chicks gegründet. Mit Adaptive Boards Chicks möchten wir anderen Mädchen (adaptiv oder nicht adaptiv) wirklich zeigen, dass Boardsport für alle geeignet ist, Jungen, Mädchen, adaptiv und nicht adaptiv. Unser Motto lautet: Ride and Connect, und auf diese Weise versuchen wir, mehr Mädchen für unseren Sport zu begeistern.

Wie erlebst du persönlich Themen wie Diskriminierung, sei es aufgrund deiner Behinderung oder als Frau?

Ich habe keine wirkliche Diskriminierung erfahren, aber was ich erlebe, sind manchmal falsche Erwartungen von Menschen. Viele Leute denken, dass Menschen mit Behinderung nicht viele Dinge tun können, aber ich denke, wenn man nach Möglichkeiten sucht, ist so viel mehr möglich als viele Leute denken und man kann immer noch fast alles tun, vielleicht einfach ein bisschen auf eine andere Weise.

Deine Geschichte und dein Weg sind inspirierend und an sich bereits sehr beeindruckend. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es noch viel mehr gibt, was dich ausmacht. Wie sieht dein Leben neben dem Snowboarden aus? 

Neben dem Snowboarden studiere ich Gesundheit und Ernährung. So sehr ich das Snowboarden liebe, bin ich glücklich darüber, dass ich mich neben dem Training noch auf etwas anderes konzentrieren kann. Ich gehe auch gerne in die Natur und fahre mit dem Mountainbike oder surfe. Und ich verbringe gerne Zeit mit Freunden und meiner Familie, wenn ich in den Niederlanden zu Hause bin.

Und zum Schluss noch: Was für eine Message möchtest du jungen Snowboarderinnen gerne noch mitgeben?

Ich würde ihnen sagen, geh einfach raus und hab Spaß und genieße es! Ich denke, Spaß zu haben ist der wichtigste Teil des Snowboarden…

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