Irland – das bedeutet grüne Wiesen, Seen, Sagen, Pubs, Lebensfreude… und unglaublich schöne Surf Spots. Anfangs bereiteten mir die Temperaturen Sorgen. Mittlerweile habe ich Kniffs raus, die mich im Herbst und Winter jeweils sicher vor einer Erkältung bewahren. Und ich habe im Ort Strandhill mein kleines Refugium gefunden.

Text & Fotos – Sarah Oh

Surfen in Irland ist für mich wild, mystisch und gleichzeitig zutiefst entspannt. Natürlich, es gibt Big Wave Spots wie Mullaghmore. Dort weht vermutlich ein anderer Wind. Aber an den Orten, an denen ich mich zumeist aufhalte, empfinde ich Surfen als Volkssport. Man trifft sich sonntags, Grosseltern und Enkel*innen paddeln Seite an Seite ins Line-up. Ganz unaufgeregt, sehr bodenständig.

Die grüne Insel bietet jahreszeitenabhängig zahlreiche Surfspots für jedes Level. Mich zieht es jeweils in den Nordwesten ins County Sligo. Gerade im Herbst herrschen dort konstante Bedingungen, aber noch nicht der krasse Winter Swell.

Fotos – Sarah Ha

Die «Gfrörli-Strategie»

Nun zu den Temperaturen. Ja, kälter geht immer. Ich denke da an Norwegen oder Island. Aber auch Surfen in Irland ist im Herbst und Winter ein Schritt raus aus der Komfortzone. Vor allem für mich, die sich im Sommer erkältet, sobald die Klimaanlage läuft. Ab September und Oktober wartet die Irische See mit 12 bis 13 Grad auf. Das liegt an den meisten Tagen über der Lufttemperatur. Im Winter sind knackige 7 bis 9 Grad im Wasser zu erwarten.

Wie gesagt, ich friere schnell und eigentlich immer. Dennoch bringe ich mich jeweils erkältungsfrei durch meine irischen Surfsessions. Die folgenden Gadgets und Routinen tragen ihr Wesentliches dazu bei, so vermute ich:

#1 Ohrstöpsel
Es gibt eigens welche für das Surfen (zum Beispiel bei Surfari). Ich bin aber auch mit den herkömmlichen Ohrstöpsel aus der Apotheke für knapp CHF 10 zurecht gekommen. Der Nachteil: Gross Schwätzchenhalten ist damit nicht, man hört (fast) keinen Pieps.

#2 Wetsuit & Booties
Abgesehen von einem Wetsuit (mindestens 4/3 mm Dicke ab September) sind für mich die in Sligo erworbenen 5 mm-Booties unerlässlich. Kalte Füsse habe ich ständig – aber nie im Wasser. In den wirklich kalten Monaten empfiehlt sich eine Haube. Gewöhnungsbedürftig finde ich Handschuhe, besonders beim Paddeln. Der Vorteil warmer Hände ist aber nicht abzustreiten.

#3 Von Innen wärmen I
Morgens Wasser aufkochen und mit dem Saft einer halben Zitrone mischen. Das sorgt für einen natürlichen Vitamin-C-Boost und ein angenehm warmes Gefühl schon in den frühen Morgenstunden.

#4 Von Innen wärmen II

Eine Thermosflasche mit der bevorzugten warmen Flüssigkeit füllen, nach der Surfsession trinken und wieder auftauen.

Und #5 Whisky 🙂

Mir wurde einmal empfohlen, Thermounterwäsche unter dem Wetsuit zu tragen. Ausprobiert habe ich das noch nie. Aber wer weiss, Island & Co. stehen ja noch auf der Liste.

Oh, Strandhill

Ich habe es bereits angedeutet: Strandhill ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Knapp 1’800 Einwohner*innen, 15 Minuten Autofahrt von der County-Hauptstadt Sligo entfernt und direkt an der Küste. Einen Besuch oder gar Aufenthalt kann ich nur ans Herz legen. Zum Abschluss deshalb eine kleine, persönliche Zusammenstellung an Trouvaillen aus dem Nordwesten Irlands:

Surfen. Ab Strandhill sind sie alle in 20-60 Minuten Autofahrt zu erreichen: Streedagh Beach, Templeboy, Aughris Head, Easkey Left & Right, Bundoran, Tullan Strand und Mullaghmore. Surfanfänger*innen sind bei Seamus von Sligo Surf Experience in den besten Händen. 

Schlafen. Die Cois Farraige Self Catering Apartments befinden sich am Ende der schönen Uferpromenade Strandhills und direkt am Spot. Morgens schon beim Zähneputzen die Wellen checken – oh Surferherz, was willst du mehr. Etwas weiter von der Küste entfernt befindet sich das Ard Nahoo Eco Retreat Center mit Blockhütten, Hot Tub und Yoga.

Essen. Lecker Brunchen im The Sweet Beat (für Veganer*innen) oder The Knox (für Fleischliebhaber*innen). In das Bistro Bianconi zum Carbo Loading und zu Mammy Johnston’s für die Nachspeise. Geht immer und für alles: Das wunderbare Shells direkt am Meer. Bier und Live-Konzerte gibt es in fast jedem Pub, besonders ins Herz geschlossen habe ich das Tricky’s Mc Garrigles.

Alternativprogramm. Die müden Muskeln in den Voya Seaweed Baths oder im Salt & Soul Yoga Studio entspannen, die irische Bergwelt auf dem magischen Gleniff Horseshoe Drive erleben, ein Konzert oder Theaterstück im Hawk’s Well Theatre besuchen oder auf den sagenumwobenen Knocknarea wandern und Queen Maeve’s Grave besichtigen.