Dieser Satz hallt seit Tagen in meinem Kopf wider. Und obwohl ich schon lange nicht mehr so intensiv darüber nachgedacht hatte, wurde es mir mit einem Schlag bewusst. Fast wie eine kleine Erleuchtung schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass dieser Spruch gerade jetzt treffender denn je ist. Zuhause ist genau da, wo mein Herz ist… das lies mich einfach nicht mehr los.

Aber lasst uns nichts überstützen und ich erkläre euch ganz in Ruhe, wieso mir dieser Satz so viel bedeutet. Und auch, warum ich genau jetzt, da ich zurück in unserem Bus bin und wieder Vollzeit im Van reise, darüber für euch diesen Beitrag schreiben möchte.

Es begann 2016, dass ich mich aufmachte, um zu mir selbst zu finden. Nichts leichter als das dachte ich damals. Dass das aber seine Zeit braucht, merkte ich schon bald. Über 3 Jahre später kann ich sagen, dass ich mich allmählich am Weg dahin befinde. Zumindest fühlt es sich nun so an.

2016 verließ ich also meine Heimat Österreich. Geplant war ein Jahr Auszeit und dann wieder zurück ins Arbeitsleben. 2017 beschloss ich, nicht mehr in meine Heimatstadt Wien zurückzukehren, sondern weiterhin zu reisen. Ich löste meine Wohnung auf und verkaufte Hab und Gut. Alles was ich noch besitze passt auf rund 1m² und in meinen Rucksack. Und schon ging es wieder ans Reisen. 

“Aber vermisst du denn deine Freunde und Familie nicht, wenn du so lange und so weit von zu Hause weg bist?” Ich muss gestehen, eine nicht selten aufkommende und damals sehr unangenehme Frage für mich. Was antwortet man denn, wenn man so absolut kein Heimweh hat? Wenn man Freunde genau da findet, wo man sich gerade befindet? Wenn man noch nie so glücklich und lebendig war, nun da man NICHT mehr zu Hause war? Fragen, die ich absolut nicht beantworten konnte, ja bei denen es mir sogar etwas flau im Magen wurde. 

So reiste ich über ein Jahr weiter und verdrängte die Frage nach meinem zu Hause gekonnt. Doch irgendwann wurde es zu viel und ich beschloss überstürzt nach Österreich zurückzukehren. Verwirrt und planlos befand ich mich in einer Sackgasse. Ich wusste nicht mehr recht, ob ich denn nun nach Österreich wollte oder nicht. Ob es sich lediglich um Einflüsse von außen handelte oder ob ich doch nach mehr Stabilität suchte. 

Also zog ich die Reißleine, ging nach Salzburg und fand mich in einer tiefen Abwärtsspirale wieder. Tausend Ideen, aber kein fixer Job, Freunde, die mich auffingen, aber die Sehnsucht ans Meer zurück zu kehren. Tiefe Trauer, ob das nun mein Leben sei, ob ich einfach wieder abhauen sollte und wohin das alles überhaupt führen sollte. Ein Roller Coaster der Gefühle, der mich öfter in die Tiefe als nach oben riss. 

Doch nach und nach lichtete sich der Wald und mein Freund und ich beschlossen gemeinsam einen Bus auszubauen. Ich entschied, mich endlich Selbstständig zu machen – den Schritt einfach zu wagen – und so Österreich wieder zu verlassen. Ein Ende war in Sicht und obwohl viel zu tun war, fühlte ich bereits, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. 

Gesagt, getan und rund acht Monate später war ich wieder am Meer. Die Zeit verflog und ich konnte es nicht fassen, wie sehr ich das Leben im Bus lieben lernte. Simpel und doch um einiges komfortabler als Backpacken. Ein mobiles Heim mit Privatsphäre auf rund 6m². Ich lies los. Fühlte mich wieder frei und ungebunden. Ich fand in unserem Van ein zu Hause. Eine Heimat, die mir keine Wohnung, kein Haus in Österreich hätte geben können. Für den Sommer entschieden wir uns bewusst für drei Monate wieder nach Salzburg zurück zu kehren um Freunde zu sehen und ein paar neuen Aufträgen nachzugehen. 

Nun sind wir wieder back on the road. Ob wir noch einmal in Österreich wohnen werden? Wer weiß das schon. Wohin das ganze für mich geführt hat? Mir ist nun bewusst, dass mein zu Hause sich genau da befindet, wo ich gerade bin. 

Wie genau ich das meine? Lass es mich dir so erklären: Es zieht mich nirgendwo hin. Ich habe alles, was ich brauche mit mir. Finde Ruhe am Meer und arbeite als Freelancerin. Und ganz besonders: ich habe aufgehört mich vor mir selbst zu rechtfertigen. Ich habe beschlossen, dass ich das tue, was sich für mich richtig anfühlt. Mein Herz geht auf, wenn ich daran denke, dass ich meinen Traum lebe. Ebenfalls entscheidend: ich habe aufgehört mich über die Zukunft zu sorgen, bin mit dem glücklich was hier ist und lebe jeden Tag. Ich bin angekommen. 

Vielleicht habe ich dieses Zurück und Weg, Österreich und Ausland, dieses Hin und Her einfach gebraucht, um dahin zu kommen wo ich jetzt bin. Vielleicht finde ich mich schon bald wieder landlocked und in einem festen Job. Vielleicht ziehen wir in ein Haus am Meer. Wer weißt das schon. Aber für jetzt bin ich mir sicher: Ich bin hier zu Hause wo ich mich gerade befinde und das ist wichtig.

All die Fragen, die von außen auftauchen, sind natürlich gerechtfertigt, aber umso mehr sollten wir uns auch vor Augen halten, dass wir alle ganz unterschiedlich sind. Das Leben im Bus ist jetzt gerade genau das richtige für mich. Das heißt nicht, dass ich dieses “fulltime Vanlife” wie es so schön heißt, für immer fortführen werde. Aber fragt man mich heute, wo ich mich zu Hause fühle, so ist es kein Land, kein Geburtsort, kein besonderes Haus. Es ist da wo ich jetzt gerade bin. In meinem Körper, in meinem Geist und ja, momentan in unserem Bus.