Einfach mal nicht erreichbar sein. Einfach mal Zeit mit sich allein verbringen. Egoistisch? Nein, vielmehr gesund. Denn in diesen Momenten lernen wir uns kennen und tanken Energie. Im Alltag kommt aber meistens das Leben dazwischen. Abhilfe kann ein gezielter Tapetenwechsel schaffen. Ich möchte euch zwei Rückzugsorte in unseren Bergen vorstellen, die mir geholfen haben, im wahrsten Sinne des Wortes «abzuschalten».

Einfach mal nicht erreichbar sein. Einfach mal allein sein – keine Selbstverständlichkeit in Zeiten von medialer Dauerberieselung und Freizeitstress. Alleinsein gilt vielerorts irgendwie auch als verpönt. Woran das genau liegt? Ich weiss es nicht. Vermutlich wird Alleinsein mit Einsamkeit gleichgesetzt. Für mich persönlich sind das zwei grundlegend verschiedene Dinge. Ich möchte jetzt nicht ausschweifen, sondern vielmehr dafür plädieren, dass wir uns ab und zu bewusst Zeit allein gönnen.

Fotos – Sarah Ha

Ohne Smartphone und Verpflichtungen

Im Alltag kommt aber meistens das Leben dazwischen. Wohn- und Familiensituation verkomplizieren das Vorhaben und definieren andere Prioritäten. Das ist natürlich auch gut, der Mensch ist ein soziales Wesen und zahlreiche Studien belegen die Wichtigkeit sozialer Kontakte für unser Wohlbefinden. Trotzdem: Zeit allein ist genauso wichtig. Allein verstehe ich in diesem Fall als Zeit, die ich ganz bewusst mit mir selbst verbringe. Ohne Smartphone, ohne soziale Medien, ohne Netflix… und ohne familiäre oder andere Verpflichtungen.

Eine wichtige Sache: Die Beziehung mit sich selbst

Es ist in diesen Momenten der Zurückgezogenheit und Ruhe, in denen wir uns wirklich kennenlernen – und unsere Batterien wieder aufladen können. Die wichtigste Beziehung, die wir in unserem Leben mitunter führen, ist die mit uns selbst. Richtig nahe sind wir uns dann, wenn wir bewusst einen Schritt zurücktreten und die Welt mal Welt sein lassen.

Auf zum Tapetenwechsel

Gelingt das im Alltag nur schwer, können externe Rückzugsorte helfen. Das bedarf an Organisation. Und ja, es ist auch ein Luxus, den man sich bewusst gönnen (wollen) muss. Vielleicht eignet sich das frisch angebrochene Jahr aber gerade ganz besonders, um ein oder zwei gezielte Auszeiten mit sich selbst zu planen. 

Fotos & Text – Sarah Ha

Zwei «Happy Places» in unseren Bergen möchte ich euch im Folgenden vorstellen. Ich fand dort in der Vergangenheit herzliche Gastgeber*innen, Ruhe, gesundes Essen, aber auch die Möglichkeit, aktiv zu werden, wann immer der Drang nach Bewegung Oberhand gewann. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Allein, aber nie einsam.

Einkuscheln in Vrin. Sie stechen sofort ins Auge, die zwei Kuben aus Holz. Vrin ist ein 250-Seelen-Dorf im magischen Val Lumnezia (GR) und Standort der Albiert Greina Berglodge. Ein Bett, kuschelige Decken, grosse Fenster, die den Blick auf die Bergwelt freigeben, einen kleinen Ofen für die kälteren Tage – was braucht es mehr? Martina und Livio haben sich mit den selbst gebauten Häuschen einen Traum erfüllt. Jahrzehnte lang führten sie einen Bio-Landwirtschaftsbetrieb, der sich gleich neben der Lodge befindet. Heute bewirtschaften sie ihre Gäste mit Herz und Seele. Martinas Leidenschaft für das Kochen ist bis in die letzte Zutat spürbar. Livios Passion gehört den Tieren und der Natur. Es ist eine Freude, seinen Erzählungen zu lauschen und gemeinsam mit ihm das Wild an den dicht bewaldeten Flanken mit dem Feldstecher  zu suchen.

– Albiert Greina Berglodge, www.albiertgreina.ch, Übernachtung mit Frühstück ab CHF 100 (Einzelbelegung), Wintersaison: Mitte Dezember bis Ende April, Sommersaison: Anfang Juni bis Ende Oktober

Frühlingserwachen in Mergoscia. Mergoscia liegt im Verzascatal (TI), ein Dörfchen auf 730 Metern Höhe und idealer Ausgangspunkt für erste Wanderungen im Frühjahr. Die Reise mit Zug und Bus ist lang, die Szenerie entschädigt aber allemal. Besonders schön lässt sich der Frühling mit einer oder zwei Übernachtungen in der Casa Bonesce begrüssen. Das liebevoll renovierte Steinhaus mit seinen fünf Zimmern lädt zum Verweilen und Träumen ein. Die Gastgeber*innen Corinna und Bernd verwöhnen mit einem hausgemachten, herzhaften Frühstück und stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die Planung von Wanderungen oder Kletterpartien geht.
– Casa Bonesce, www.cb-guesthouse.ch, Übernachtung mit Frühstück ab CHF 80 (Einzelbelegung), Saison: Ende April bis Mitte Oktober

Zwei Tipps zum Schluss

Abschliessend noch zwei Empfehlungen: Unbedingt das eigene Umfeld über die Auszeit informieren, bevor Suchdrohnen nach euch ausgesendet werden. Auch nicht schaden kann die mentale Vorbereitung auf die Frage «Kommt noch jemand oder bist du allein hier?».

Ich wünsche euch eine entspannte, bereichernde Zeit allein.

Disclaimer: Ich habe die Aufenthalte selbst finanziert. Die genannten Unterkünfte haben mich weder für meine Meinung bezahlt noch waren sie an diesem Artikel beteiligt.