Ein Erlebnis, welches wir niemandem Wünschen! Nach massivem Schneefall wie in den vergangenen Wochen, steigt sie jedoch, diese Gefahr der Lawinen. Eine Gefahr, die wir mit möglichst viel Wissen umgehen möchten, wobei die genaue Planung einer solchen Backcountry Abfahrt ganz klar das wichtigste ist! Passiert es nun doch, sollten wir dementsprechend ausgerüstet sein und eine richtige und schnelle Anwendung der Ausrüstung beherrschen. Hierzu möchten wir euch die 9. Wichtigsten Schritte präsentieren, welche dir bei einer Notfallsituation verhelfen Leben zu retten. Wichtig: Die unten ernannten 9. Schritte müssen stets geübt und vertieft werden, hierzu empfehlen wir regelmässiges üben mit deinen Backcountry Freunden!


SCHRITT 1 – ÜBERBLICK verschaffen & Aufgaben verteilen:

In einer Notfallsituation ist es extrem wichtig, als allererstes die allgemeine Situation einzuschätzen.

Ist jemand verschüttet? Wie viele Personen sind verschüttet?
Gibt es Gegenstände auf dem Schnee, die unsere Suche vereinfachen könnten?
Ist die Lage nach dem Schneebrett, oder der Lawine, sicher?

Nach diesem ersten Überblick ist es sehr hilfreich, Aufgaben zu verteilen! Gerade in einer Schocksituation funktionieren nicht alle gleich, daher sollte jemand die Gruppenführung übernehmen.

SCHRITT 2 – NOTRUF wählen – kurze und präzise Meldung:

Schweiz 1414
Deutschland 112
Österreich 140
Euronotruf 112

Jede Sekunde zählt! Um Zeit zu sparen und um den Notruf möglichst effizient umzusetzen, empfehlen wir dir, die Rega-App auf deinem Handy zu installieren. Nebst deinen persönlichen Angaben, kann die Rega im besten Fall deinen Standort lokalisieren.

Ablauf:

Notruf 1414 wählen (bzw. Rega-App öffnen)
Standort erklären
Anzahl der Verschütteten und der nicht Verschütteten durchgeben
Situation im Allgemeinen schildern

SCHRITT 3 – ALLE LVS-GERÄTE auf SUCHEN umschalten:

Für eine produktive Suche ist es unglaublich wichtig, dass ALLE LVS-Geräte auf Suchen umgeschaltet werden. Falls dies jemand vergisst, kann ein sehr grosser Zeitverlust sowie grosse Verwirrung bei der Suche entstehen. Verändert sich die Situation am Berg und es droht Gefahr, müssen alle LVS-Geräte umgehend zurück auf SENDEN gestellt werden.

SCHRITT 4 – SONDE einsatzbereit machen:

Je nach Gruppengrösse sollte mindestens eine Person ihre SONDE einsatzbereit haben.
Wichtig: Achte darauf, dass du niemals deinen Rucksack liegen lässt, sondern diesen stets bei dir trägst!

SCHRITT 5 – SIGNALSUCHE starten:

AUGEN – OHREN – LVS

Nach dem Umschalten des LVS-Gerätes von SENDEN auf SUCHEN, kann die Suche gestartet werden. Hierbei ist es wichtig, dass alle Personen ihr LVS-Gerät beherrschen und sich mit offenen Augen und Ohren Schritt für Schritt dem Ziel nähern. Für die Suche lohnt es sich, Ausschau auf Gegenstände im Schnee zu halten, welche möglicherweise zu einem Verschütteten führen könnten. Je nach Anzahl der Verschütteten wird die Suche zusammen, oder in Gruppen durchgeführt.

SCHRITT 6 – GROBSUCHE mit LVS-Gerät:

Die Grobsuche, bis auf ca. 3 Meter Distanz, muss so schnell wie möglich erfolgen! Wobei vor Ort entschieden werden muss, ob die Suche besser zu Fuß, oder mit den Ski/ Snowboards stattfindet.

SCHRITT 7 – FEINSUCHE mit dem LVS-Gerät direkt an der Schneeoberfläche:

Habt ihr die 3 Meter Distanz erreicht, ist es wichtig, dass ihr kniend das LVS-Gerät möglichst nah über die Schneeoberfläche führt. Nutzt diese Technik, um den nähesten Punkt definieren zu können:

SCHRITT 8 – PUNKTORTUNG mit rechtwinkligen Sondenstichen:

In dem Moment, in dem die näheste Ortung definiert wurde, kann ein Gruppenmitglied mit dem sondieren starten. Die Sondenstiche sollten möglichst rechtwinklig und strategisch erfolgen. Währenddessen bereiten sich alle anderen Gruppenmitglieder mit ihrer Schaufel vor, um sofort mit der Ausgrabung starten zu können.

SCHRITT 9 – Ausgraben und Kopf freilegen:

Wurde die verschüttete Person getroffen, lasst ihr die Sonde genau dort stecken! Im besten Fall positioniert ihr euch in einem Dreieck (siehe Skizze), wobei die Position A möglichst nah an der Sonde entlang schaufelt und die unteren Gruppenmitglieder (B & C) diesen Schnee aus dem Weg räumen. Nach ca. einer Minute wechseln sich die Positionen (A, B & C) im Uhrzeigersinn ab, sodass in der Position A stets genug Energie für das effizienteste Schaufeln vorhanden ist.

Falls die Rega bis zum kompletten Ausgraben des Verschütteten noch nicht vor Ort sein sollte, ist es wichtig, dass der Kopf freigelegt werden kann, erste Hilfe geleistet wird und die Atemwege vom Schnee befreit werden. In einer solchen Situation kontaktiert ein Gruppenmitglied am Besten nochmals die Rega, für eine professionelle Unterstützung bei der ersten Hilfe.

Wichtig: Um diese 9 Schritte einwandfrei umsetzen zu können, ist die regelmässige Übung einer solchen Situation notwendig. Je sicherer diese Abläufe sitzen, umso grösser ist die Chance, den Verschütteten lebend zu bergen. Zu einem möglichst risikofreien Off-Piste Erlebnis gehören also eine optimale Vorbereitung sowie eine komplette Lawinenausrüstung. Wir empfehlen daher, nur mit Freunden unterwegs zu sein, denen man vertraut und die ALLE voll ausgerüstet sind!