Aus einer neu entdeckten Leidenschaft und Geldnot hat Muriel Wirth eine Passion nach der anderen entdeckt, welche ihren Weg bis heute prägen. Muriel ist selbstbewusst. Und unerschrocken. Sie stellt unter der Marke MAMU Skateboards von Hand gemachte Skateboards her und lässt sich dabei in dem noch immer von Männern dominierten Metier von niemandem unterkriegen. Den gesamten Produktionsakt, gestaltet sie selbstständig: Vom Pressen des Holzes in der selbstgebauten Presse, über das Schleifen, Designen, Bemalen bis hin zum Zusammenbauen ist es ihr Werk.

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Was ist überhaupt MAMU Skateboards ?

Mein Therapeut, mein Ausgleich. Die Möglichkeit alles Kreative in etwas Produktives zu verpacken und dem eine Plattform zu geben und mich selbst herauszufordern. Es ist auch immer je nach Lebenssituation etwas komplett anderes, da es sich total natürlich entwickelt und geformt hat, halt je nachdem wie ich es benutzt habe, das heisst, was ich in den verschiedenen Momenten gebraucht habe.  

MAMU ist für dich also viel mehr, als nur die Skateboards. Was heisst das konkret, wie “benutzt” du es? 

Bereits im Bauprozess vom ersten Longboard habe ich bemerkt, dass es viel mehr ist als einfach nur ein Spass-Projekt. Unbeabsichtigt habe ich mich während der Arbeit sehr fest mit mir selbst auseinandergesetzt. Die Arbeit mit Holz, sowie auch mit Farbe braucht viel Konzentration und hat teilweise etwas Meditatives. Ich kann dabei einfach besonders gut denken, fühlen und meine Emotionen rauslassen. Wenn ich Produkte ansehe die ich gemacht habe, weiss ich später noch genau wie es mir dabei ging. Somit ist auch jedes Projekt sehr persönlich. Der Stil hat sich über die Jahre, genau wie ich, sehr verändert. Schleifpapier und Pinsel sind meine Therapeuten. Die Projekte passen sich meinen Bedürfnissen an, deshalb ist für mich MAMU in vielen Hinsichten ein Tool.

Du hast durch eine Leidenschaft, die nächste Entdeckt. Wie kam es dazu?

2014 war ich das erste Mal bei einem Chixxs on Board Workshop für Longboard Anfänger mit dabei. Ich hatte dort meinen Mindblowing-Moment, als ich den Rigiblick runter fuhr. So habe ich meine Leidenschaft für’s Skateboarden entdeckt. Damals war ich mit einem Cruiser dabei und merkte sofort, dass ich für das, was ich gerne machen möchte, ein Longboard brauchte. Ich war damals aber noch im Studium und hatte kein Geld. Weshalb ich mir anfing Youtube-Videos anzuschauen und mir das Projekt dann in den Kopf gesetzt habe. Als ich mein Vorhaben meinem Freund Matti und seinem Mitbewohner erzählte, meinten sie zuerst Never ever, ich hätte keine Ahnung wie man Holz biegt und hätte auch noch nie mit Holz gearbeitet. Ich meinte dann einfach, ich mach es, hilf mir oder nicht, und so half er mir dann.

Wir haben dann Oskari, mein erstes Longboard gebaut. Damals ging es erstmal nur darum eines zu haben. Als es dann fertig geschliffen war, habe ich aber gemerkt, wie schade es ist, dass es vorbei war. Wir haben dann noch eins für meine beste Freundin gemacht und schon angefangen uns zu überlegen, wie wir den Prozess verändern könnten. 

Die kreative Ader ist auch erst mit der Zeit gekommen. Da Matti, der schon aus der kreativen Branche kommt, damals keine Zeit hatte und ich nicht warten konnte, habe ich dann mit Farbstiften Oskari bemalt. Es war eine sehr emotionale Zeit, da ich zuvor noch nie wirklich malte. Ich arbeitete da noch mehr mit geometrischem Gekritzel und habe nächtelang gemalt und konnte so viel Dinge, die mir auf dem Herzen lagen verarbeiten. So entwickelte sich eigentlich parallel zum Longboard bauen meine zwei weiteren Leidenschaften: das Arbeiten mit dem Holz und das Malen.

Wie ging es dann für dich weiter, als du gemerkt hast, dass durch das, dass du deine Leidenschaften ausübst, ein Produkt entsteht?

Im 2015 hatte ich dann sehr viel Zeit, da ich mir den Fuss gebrochen habe. Ich habe dann für Freunde angefangen die Boards zu bauen. Ich fing auch an meine Kreativität auszubauen. Ich konnte mir das Kellerabteil meiner damaligen WG als Werkstatt einrichten, baute mir eine bessere Presse und machte eine Website. Durch gefärbte Socken und selbstgemachte Sonnenbrillenbändel versuchte ich mir die neue Presse zu finanzieren. 

2016 konnten wir das erste Mal im Frau Gerolds Garten unsere ersten Produkte verkaufen. Es kamen mit der Zeit dann immer mehr Ideen und Produkte dazu, wobei ich aber immer gerade das produziere, was mir Spass macht. Heute arbeite ich zu 80% als Physio und habe den #mamumonday. In Realität ist aber eher der Freitagabend, der ganze Samstag, der ganze Sonntag und der ganze Montag MAMU-Tag und ich könnte mir auch vorstellen, in Zukunft noch mehr Zeit darin zu investieren.

Für was steht eigentlich “MAMU”?

Mamu ist eigentlich aus Mattis und meinem Namen zusammengesetzt. Ausserdem ist es die finnische Abkürzung für “Ausländer”. Da einer von uns beiden immer der Ausländer ist (Matti ist aus Finnland), war das auch der ausschlaggebende Grund. Insgesamt war der Name am Anfang aber mehr eine Spielerei und ist als Witz entstanden. Eigentlich plane und baue ich die Skateboards alleine und Matti hilft mir ab und zu, wenn ich mal Unterstützung brauche.

Ich finde es inspirierend, dass du dir die Zeit nimmst, das zu machen, was du wirklich liebst. Viele von uns stecken heute oft in einem Job fest, der sie nicht erfüllt. Welche Message hast für all jene?

Text & Fotos
Silke Marika

Es spielt völlig keine Rolle, in welchem Rahmen dass man seine Leidenschaft ausübt. Es ist auch nicht schlimm, wenn man sie noch nicht entdeckt hat. Wichtig ist, dass man Dinge ausprobiert und man so lernt, die Kreativität raus zu lassen und das zu finden, was einem entspricht, egal in welchem Bereich. Kreativität hat man nicht einfach, dazu bin ich der Beweis.