251226 Tafedna 37 scaled

Marokko Surf Experience: Mehr als nur perfekte Wellen

Marok­ko gehört zu den belieb­tes­ten Surf-Destinationen der Welt. Ram­zi Bouk­hi­am, marok­ka­ni­scher Profi-Surfer auf der World Surf League Tour, bezeich­net sein Hei­mat­land ger­ne als das euro­päi­sche Bali. Und ganz unrecht hat er nicht. Wäh­rend die Aus­tra­li­er nach Bali flie­gen, jet­ten wir Euro­pä­er für eine Woche Surf­ur­laub nach Marok­ko, um end­lo­se Point­breaks zu sur­fen, ein­hei­mi­sche Taji­nes zu essen und in den Win­ter­mo­na­ten etwas Vit­amin D zu tan­ken.

Was vor zehn oder fünf­zehn Jah­ren noch als exo­ti­sches und teil­wei­se unsi­che­res Rei­se­ziel galt, ist heu­te für vie­le euro­päi­sche Sur­fe­rin­nen und Sur­fer die ers­te Wahl für einen Win­ter­trip.

Seit über zehn Jah­ren ver­brin­ge ich regel­mäs­sig die Win­ter­mo­na­te in Marok­ko. Anfangs als rei­sen­de Sur­fe­rin, heu­te als Surf Coach. Das Land hat mich vom ers­ten Besuch an fas­zi­niert. Die Men­schen, die Kul­tur, die Land­schaf­ten und natür­lich die Wel­len.

Als Frau unterwegs

Ich wer­de oft gefragt, ob ich mich in Marok­ko sicher füh­le. Und mei­ne Ant­wort ist seit mei­nem ers­ten Besuch die­sel­be: Ganz klar ja.

Natür­lich erlebt man gele­gent­lich Situa­tio­nen, die man aus Euro­pa weni­ger kennt. Män­ner spre­chen einen an, fra­gen nach dem Namen oder woher man kommt. Ist ja auch ver­ständ­lich: Als allein­rei­sen­de euro­päi­sche Frau fal­le ich natür­lich auf. Was zunächst unan­ge­nehm wir­ken kann, ist oft nur kul­tu­rell bedingt und über­haupt nicht böse gemeint, son­dern Aus­druck von Neu­gier oder Hilfs­be­reit­schaft.

Bei einem mei­ner ers­ten Besu­che war ich in Smi­mou unter­wegs, einem klei­nen Dorf süd­lich von Essaoui­ra. Ich war auf der Suche nach einem Gewürz­händ­ler und stand ver­lo­ren zwi­schen Taji­nes, Gemü­se­stän­den und Brot­ver­käu­fern.

Plötz­lich kam ein Mann in einer Dschel­la­ba auf mich zu. Mein ers­ter Gedan­ke? «Oh nein. Jetzt will mir bestimmt jemand etwas ver­kau­fen. Oder mit mir flir­ten.» Die übli­chen Vor­ur­tei­le schos­sen mir durch den Kopf. Doch zu mei­nem Erstau­nen frag­te er: «Kann ich Ihnen hel­fen? Sie sehen aus, als wür­den Sie etwas suchen.»

Ich wur­de augen­blick­lich rot. Der Mann woll­te nichts von mir, er woll­te ein­fach hel­fen. Und genau sol­che Momen­te habe ich in Marok­ko immer wie­der erlebt. Ein Bana­nen­ver­käu­fer warn­te mich ein­mal vor einer Poli­zei­kon­trol­le am Dorf­aus­gang. Ein Fischer erklär­te mir den Weg zu einem ver­steck­ten Surfs­pot.

Das Marok­ko, das die meis­ten von uns ken­nen, ist das Marok­ko der Souks in Gross­städ­ten wie Mar­ra­kesch. Das Marok­ko der Händ­ler, die um Auf­merk­sam­keit kämp­fen und Tou­ris­tin­nen und Tou­ris­ten in ihre Geschäf­te locken. Wo Gesprä­che nur gestar­tet wer­den, weil spä­ter ein Ver­kauf abge­schlos­sen wer­den soll.

Doch was man weni­ger kennt, ist das Marok­ko abseits des Tou­ris­mus. Das länd­li­che Marok­ko, die klei­nen Fischer­dör­fer und die abge­le­ge­nen Gemein­den ent­lang der Küs­te. Orte, an denen sich jeder kennt und Aus­län­de­rin­nen noch immer eine Sel­ten­heit sind. Und genau die­ses Marok­ko habe ich lie­ben gelernt.

251226 Tafedna 64

Andere Kulturen, andere Sitten

Marok­ko ist ein mus­li­misch gepräg­tes Land. Vie­le gesell­schaft­li­che Nor­men unter­schei­den sich von dem, was wir aus der Schweiz oder ande­ren euro­päi­schen Län­dern ken­nen. Wäh­rend Biki­ni und Trä­ger­top für uns im Surf­ur­laub selbst­ver­ständ­lich sind, bewegt man sich damit in Marok­ko manch­mal in einer klei­nen Grau­zo­ne. Obwohl es mitt­ler­wei­le an vie­len Orten zum All­tag gehört und durch den wach­sen­den Tou­ris­mus immer häu­fi­ger zu sehen ist, fühlt man sich als Frau den­noch noch nicht ganz wohl im Biki­ni. Denn auch die Ein­hei­mi­schen ver­brin­gen ihre Frei­zeit am Strand, gehen baden, spa­zie­ren oder arbei­ten dort als Fischer.

Die Bli­cke sind da und man spürt sie. Nicht unbe­dingt wer­tend – oft ein­fach neu­gie­rig. Es ist eben doch eine ande­re Kul­tur. Schnell ver­ges­sen wir, dass wir zu Gast sind und unse­re Sit­ten nicht ein­fach über­tra­gen kön­nen. Im Trä­ger­top durch den loka­len Markt zu schlen­dern oder sich nach der Surf­ses­si­on mit­ten am Strand umzu­zie­hen, ist dort halt eben doch nicht selbst­ver­ständ­lich.

Am Anfang war ich selbst unsi­cher. Zie­he ich mich jetzt hier am Strand um? Kann ich so durchs Dorf lau­fen? Heu­te den­ke ich dar­über gar nicht mehr nach. Der Surf-Poncho kommt über den Kopf und fer­tig. Seit­dem gehört er ganz selbst­ver­ständ­lich in mein Rei­se­ge­päck.

Was heisst das also für uns? Das bedeu­tet nicht, dass man sich ver­ste­cken oder ver­mum­men muss. Es bedeu­tet ledig­lich, respekt­voll zu sein. So wie wir uns freu­en, wenn Gäs­te unse­re Kul­tur respek­tie­ren, freu­en sich auch die Marok­ka­ner, wenn wir ihre respek­tie­ren.

Die Magie des marokkanischen Surfens

Mei­ne gros­se Lei­den­schaft und mitt­ler­wei­le auch mein Beruf ist das Sur­fen. Doch was Marok­ko für mich so beson­ders macht, sind nicht nur die Wel­len. Es sind die pas­tell­far­be­nen Son­nen­auf­gän­ge. Die Kin­der, die einem am Strand zuwin­ken. Der Duft von fri­schem Pfefferminz-Grüntee nach dem Essen. Die Freu­de der Dorf­ju­gend, die am Sonn­tag bei Low Tide am Strand Fuss­ball spielt.

Und natür­lich die unglaub­li­che Gast­freund­schaft. Vie­le Marok­ka­ner besit­zen wenig und tei­len fast alles. Die­se Herz­lich­keit hat mich von Anfang an beein­druckt und ist einer der vie­len Grün­de, war­um ich mich im Land so wohl füh­le.

251226 Tafedna 19

Das Surfen

Ich den­ke, dass Marok­ko ohne sei­ne Wel­len nicht das wäre, was es heu­te ist. Vie­le ken­nen das Land dank welt­be­kann­ter Spots wie Anchor Point, Ims­oua­ne Bay, Safi, Boi­lers, Dra­cu­las oder Cap Sim. Doch der Boom hat auch sei­ne Schat­ten­sei­ten.

An guten Swell-Tagen tei­len sich heu­te oft Hun­der­te Men­schen die­sel­ben Wel­len. Die bekann­tes­ten Spots sind teil­wei­se hoff­nungs­los über­füllt. Der Kampf um die Sets ist gross und die Stim­mung im Was­ser nicht immer ent­spannt. Man­che Spots sind inzwi­schen sogar den Locals vor­be­hal­ten oder für Tou­ris­ten gesperrt. Wer Marok­ko wirk­lich erle­ben möch­te, soll­te des­halb nicht nur den berühm­tes­ten Spots hin­ter­her­ja­gen.

Denn genau wie abseits der gros­sen Städ­te ein ande­res Marok­ko war­tet, gibt es auch ent­lang der Küs­te unzäh­li­ge weni­ger bekann­te Surfspots. Von sanf­ten Beach­breaks bis zu lan­gen Point­breaks fin­det prak­tisch jede Sur­fe­rin pas­sen­de Bedin­gun­gen – oft ganz ohne Gedrän­ge.

Als Surferin in Marokko

Als Sur­fe­rin erlebt man Marok­ko oft etwas anders als vie­le klas­si­sche Tou­ris­tin­nen. Die Surf-Community ent­lang der Küs­te ist inter­na­tio­nal, offen und herz­lich. Gleich­zei­tig befin­det man sich in einem Land mit ande­ren kul­tu­rel­len Wer­ten. Und genau die­se möch­te man ja ken­nen­ler­nen, statt nur mit ande­ren Tou­ris­tin­nen und Tou­ris­ten zu inter­agie­ren.

Doch das ist jedoch manch­mal schwie­ri­ger, als man zunächst denkt. Marok­ka­ni­sche Sur­fe­rin­nen sind noch immer eine Sel­ten­heit. Dadurch ent­ste­hen Begeg­nun­gen mit loka­len Frau­en oft weni­ger selbst­ver­ständ­lich als bei­spiels­wei­se in Euro­pa.

Gleich­zei­tig bringt das auch einen uner­war­te­ten Vor­teil mit sich. Wäh­rend männ­li­che Sur­fer von den Locals im Was­ser eher kri­tisch betrach­tet wer­den, sind Frau­en oft will­kom­men. Mit Män­nern wird um Wel­len gekämpft, uns Frau­en über­lässt man ger­ne mal eine Wel­le und feu­ert uns dabei sogar noch an. Vor allem, wenn man zeigt, dass man im Was­ser ist, um Spass zu haben und den Locals mit Respekt gegen­über­tritt.

Surf Retreat als perfekter Einstieg

Trotz all der posi­ti­ven Din­ge, die Marok­ko zu bie­ten hat, füh­len sich vie­le Frau­en noch immer unwohl, das Land allei­ne zu berei­sen. Und obwohl die­ses Gefühl oft unbe­grün­det ist, ist es den­noch da.

Genau hier kön­nen Frauen-Surf-Retreats einen wun­der­schö­nen Ein­stieg bie­ten. Man reist nicht allei­ne, son­dern gemein­sam mit einer Grup­pe gleich­ge­sinn­ter Frau­en. Man erhält Unter­stüt­zung und kann Fra­gen stel­len, die man sich viel­leicht sonst nicht trau­en wür­de. Statt sich Gedan­ken über Trans­port, Surfspots oder kul­tu­rel­le Beson­der­hei­ten zu machen, kann man sich auf das kon­zen­trie­ren, wes­halb man eigent­lich gekom­men ist:

Surfen, geniessen und Spass haben.

Und oft pas­siert dabei etwas Schö­nes. Was anfangs fremd wirkt, wird plötz­lich ver­traut. Aus Unsi­cher­heit wird Neu­gier. Aus einer Sur­frei­se wird eine Erfah­rung, die weit über das Sur­fen hin­aus­geht. Und beim nächs­ten Besuch im Land fühlt man sich viel­leicht sogar wohl genug, um allei­ne zu kom­men.

Unser Surf & Yoga Retreat in Marokko für dich:

Mein Fazit

Marok­ko ist nicht ein­fach nur eine war­me und nahe Surf-Destination. Es ist ein Land vol­ler Kon­tras­te, Begeg­nun­gen und Über­ra­schun­gen. Wer offen reist, Respekt mit­bringt und bereit ist, sich auf eine ande­re Kul­tur ein­zu­las­sen, wird mit weit mehr nach Hau­se kom­men als nur mit ein paar guten Wel­len.

Viel­leicht erin­nert man sich nach einer Woche Marok­ko gar nicht am meis­ten an den per­fek­ten Point­break. Son­dern an den Mann in der Dschel­la­ba, der einem den Weg gezeigt hat. An den Minz­tee am Strand nach der Surf Ses­si­on. Oder an die Kin­der, die einem jeden Mor­gen am Strand zuwin­ken.

Wenn mich heu­te jemand fragt, war­um ich jeden Win­ter wie­der nach Marok­ko fah­re, lau­tet die Ant­wort längst nicht mehr nur: wegen der Wel­len. Ich kom­me wegen der Men­schen, der Gast­freund­schaft und die­ses Gefühls, in einem Land ange­kom­men zu sein, das mich jedes Jahr aufs Neue über­rascht.

LoreleiCOB
Text & Bil­der — Lore­lei Fröh­lich

Marokko ist für mich weit mehr als nur eine Surf-Destination mit perfekten Wellen.

Hast du auch ein Berg, Surf oder Skate Erlebnis, welches du mit unserer Community teilen möchtest?

Schreib uns gerne eine Mail oder eine Nachricht über unser Kontaktformular!

Ähnliche Beiträge