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Meine erste Skihochtour: Selbsteinschätzung, Kommunikation & Fitness in der Höhe!

Die ers­te Ski­hoch­tour ist ein Mei­len­stein. Sie ver­bin­det Ski­tou­ren­ge­hen mit hoch­al­pi­nem Gelän­de, Glet­schern, Seil­schaf­ten und der beson­de­ren Her­aus­for­de­rung der Höhe. Neben Aus­rüs­tung und Lawi­nen­wis­sen gibt es noch ande­re Fak­to­ren, die über Sicher­heit und Erleb­nis ent­schei­den: ehr­li­che Selbst­ein­schät­zung, offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on in der Grup­pe und ein rea­lis­ti­scher Umgang mit der eige­nen Fit­ness in der Höhe.

Ehrliche Selbsteinschätzung als Grundlage jeder Entscheidung

Selbst­ein­schät­zung ist kein ein­ma­li­ger Check vor der Tour, son­dern ein fort­lau­fen­der Pro­zess. Bereits in der Vor­be­rei­tung soll­te man sich fra­gen, ob Tech­nik, Kon­di­ti­on und men­ta­le Belast­bar­keit zum geplan­ten Unter­neh­men pas­sen. Kann ich Spitz­keh­ren auch mit schwe­rem Ruck­sack sicher durch­füh­ren? Füh­le ich mich wohl in expo­nier­tem Gelän­de oder auf dem Glet­scher? Habe ich grund­le­gen­de Abläu­fe wie LVS-Umgang, Ansei­len oder den Ein­satz von Steig­ei­sen zumin­dest schon ein­mal geübt?

Wäh­rend der Tour wird die­se Selbst­ein­schät­zung noch wich­ti­ger. Müdig­keit, Käl­te oder Höhe ver­än­dern Leis­tungs­fä­hig­keit und Kon­zen­tra­ti­on oft schlei­chend.

Tou­ren­tipp: Wer regel­mäs­sig in sich hin­ein­horcht, merkt früh, wenn das Tem­po zu hoch wird, die Kon­zen­tra­ti­on nach­lässt oder ein­fa­che Hand­grif­fe plötz­lich mehr Zeit brau­chen. Gera­de auf der ers­ten Ski­hoch­tour gilt: Umkeh­ren ist kein Schei­tern, son­dern eine bewuss­te, kom­pe­ten­te Ent­schei­dung.

Offene Kommunikation

Vie­le kri­ti­sche Situa­tio­nen ent­ste­hen nicht durch objek­ti­ve Gefah­ren, son­dern durch feh­len­de oder zu spä­te Kom­mu­ni­ka­ti­on. Des­halb soll­te bereits vor dem Start offen über Erwar­tun­gen gespro­chen wer­den: Ist der Gip­fel ein Wunsch oder ein Muss? Wel­ches Tem­po wird ange­strebt? Wel­che Abbruch­kri­te­ri­en gel­ten bei Wet­ter, Zeit oder Erschöp­fung? Unter­wegs ist es ent­schei­dend, Pro­ble­me früh anzu­spre­chen

Tou­ren­tipp: Ein simp­les „Ich brau­che kurz Zeit“ oder „Mir ist etwas schwind­lig“ kann ver­hin­dern, dass sich klei­ne Schwie­rig­kei­ten zu ech­ten Risi­ken ent­wi­ckeln. Gera­de weni­ger erfah­re­ne Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer soll­ten kei­ne Scheu haben, Fra­gen zu stel­len oder Unsi­cher­hei­ten zu äußern. Eine gute Seil­schaft zeich­net sich dadurch aus, dass Ent­schei­dun­gen erklärt wer­den und nie­mand durch Schwei­gen oder Grup­pen­druck über sei­ne Gren­zen geht.

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Fitness in der Höhe: Anpassung statt Leistungsdenken

Höhe ver­än­dert die Spiel­re­geln. Mit zuneh­men­der Höhe stei­gen Puls und Atem­fre­quenz, wäh­rend die Leis­tungs­fä­hig­keit sinkt. Erho­lungs­pha­sen dau­ern län­ger, Feh­ler schlei­chen sich schnel­ler ein. Wer das igno­riert und ver­sucht, „sein nor­ma­les Tem­po“ durch­zu­zie­hen, zahlt oft mit schnel­ler Erschöp­fung oder Kon­zen­tra­ti­ons­ver­lust. Ein gleich­mä­ßi­ges, bewusst lang­sa­mes Tem­po ist daher ent­schei­dend.

Tou­ren­tipp: Ein guter Richt­wert ist, wenn man sich wäh­rend des Auf­stiegs noch in gan­zen Sät­zen unter­hal­ten kann. Eben­so wich­tig ist es, regel­mä­ßig zu essen und zu trin­ken – idea­ler­wei­se bevor Hun­ger oder Durst spür­bar wer­den.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit ver­die­nen Warn­zei­chen der Höhe wie Kopf­schmer­zen, Übel­keit, Schwin­del oder unge­wöhn­li­che Müdig­keit. Tre­ten sol­che Sym­pto­me auf, ist ein Abstieg die rich­ti­ge und siche­re Reak­ti­on, unab­hän­gig davon, wie nah der Gip­fel scheint.

Tourenplanung und Material

Neben Selbst­ein­schät­zung, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Fit­ness gibt es eine Rei­he wei­te­rer Tou­ren­tipps, die gera­de bei der ers­ten Ski­hoch­tour ent­schei­dend zum Gelin­gen bei­tra­gen.

Tou­ren­pla­nung
Ein zen­tra­ler Punkt ist die rea­lis­ti­sche Tou­ren­pla­nung. Für die ers­te Ski­hoch­tour emp­fiehlt es sich, bewusst ein­fa­che, klas­si­sche Rou­ten zu wäh­len. Weni­ger Höhen­me­ter, mode­ra­tes Gelän­de und über­sicht­li­che Glet­scher redu­zie­ren die Kom­ple­xi­tät und las­sen Raum, Abläu­fe ken­nen­zu­ler­nen. Früh star­ten gehört eben­falls dazu, denn Zeit­re­ser­ven sind im Hoch­ge­bir­ge ein Sicher­heits­fak­tor – nicht nur wegen mög­li­cher Wet­ter­um­schwün­ge, son­dern auch, weil Auf­stieg, Ansei­len oder Spur­an­la­ge län­ger dau­ern kön­nen als erwar­tet. Die Abfahrt selbst wird häu­fig unter­schätzt. Nach einem lan­gen Auf­stieg, even­tu­ell in gro­ßer Höhe, ist die Kon­zen­tra­ti­on oft redu­ziert. Schnee- und Sicht­ver­hält­nis­se kön­nen anspruchs­vol­ler sein als erwar­tet, und der schwe­re Ruck­sack ver­än­dert das Fahr­ge­fühl. Gera­de bei der ers­ten Ski­hoch­tour soll­te man defen­siv fah­ren, siche­re Lini­en wäh­len und not­falls auch ein­zel­ne Pas­sa­gen abstei­gen. Sicher ankom­men ist wich­ti­ger als ein „schö­ner Stil“.

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Text — Feli­ci­tas Fel­ler

Mate­ri­al
Eben­so wich­tig ist der Umgang mit dem Mate­ri­al. Auf Ski­hoch­tou­ren kom­men oft zusätz­li­che Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de wie Klet­ter­gurt, Seil, Steig­ei­sen oder Pickel zum Ein­satz. Wer die­se Din­ge erst am Gip­fel zum ers­ten Mal in die Hand nimmt, erzeugt unnö­ti­gen Stress.

Tou­ren­tipp: Es lohnt sich, Hand­grif­fe wie Ansei­len, Umfel­len, Har­sch­eisen mon­tie­ren, Skis/Snowboard auf den Ruck­sack bin­den oder den Wech­sel von Ski auf Steig­ei­sen bereits im Vor­feld zu üben. Ord­nung im Ruck­sack spart Zeit, Ener­gie und Ner­ven – beson­ders bei Käl­te oder Wind.

Die ers­te Ski­hoch­tour mit einer Berg­füh­re­rin zu unter­neh­men, ist weni­ger ein Zei­chen von Unsi­cher­heit als eine bewuss­te Inves­ti­ti­on in Erfah­rung und Sicher­heit. Im hoch­al­pi­nen Gelän­de tref­fen vie­le Fak­to­ren zusam­men: Glet­scher, Spal­ten­zo­nen, Lawi­nen­ge­fahr, Wet­ter und Höhe. Die Berg­füh­re­rin hilft dir dabei, die­se Ein­flüs­se rich­tig ein­zu­ord­nen und Ent­schei­dun­gen trans­pa­rent zu machen. Gera­de Ein­stei­ge­rin­nen ler­nen so, war­um Rou­ten gewählt, Ent­schei­dun­gen getrof­fen oder Umkehr­punk­te fest­ge­legt wer­den.

Dar­über hin­aus ermög­licht eine geführ­te Tour Ler­nen direkt im Gelän­de. Abläu­fe wie Ansei­len, Spur­an­la­ge oder das rich­ti­ge Tem­po wer­den nicht theo­re­tisch erklärt, son­dern prak­tisch erlebt. Gleich­zei­tig ent­las­tet die kla­re Füh­rungs­rol­le die Grup­pe und för­dert offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, da Unsi­cher­hei­ten früh ange­spro­chen wer­den kön­nen.

Eine Berg­füh­re­rin wählt zudem Tou­ren, die for­dern, ohne zu über­for­dern, und passt Tem­po sowie Tages­struk­tur an die Grup­pe an. So ent­steht ein siche­rer, rea­lis­ti­scher Ein­stieg in die Welt der Ski­hoch­tou­ren – und eine soli­de Basis für spä­te­re selbst­stän­di­ge Unter­neh­mun­gen.

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Nütz­li­che Links für dei­ne Vor­be­rei­tung und wei­ter­füh­ren­de Lite­ra­tur

  • Schwei­zer Alpen-Club (SAC)
    – Lehr­schrif­ten zu Hoch­tou­ren, Seil­schaft und Risi­ko­ma­nage­ment
  • Berg & Stei­gen (Zeit­schrift)

    Ent­de­cke unten­ste­hend unse­re Ange­bo­te. Von der Ski­hoch­tour für Ein­stei­ge­rin­nen, bis zum Coa­ching.

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