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Reisen als Paar im Campervan – Instagram vs. Realität 

Auf Instagram überfluteten sie eine Zeit lang meinen Entdecken-Feed und jeder, der sich ein wenig mit dem #vanlife auf den Social Media Kanälen beschäftigt kennt sie: die Reise-Pärchen, bei denen alles perfekt läuft, die ständig nur Tanzen, Lachen, Musizieren, sich gegenseitig in der Luft wirbeln und bei denen scheinbar immer Sonnenuntergangs-Romantik Stimmung herrscht. Morgens steht das Handy wohl schon bereit, sodass beim Kuscheln und Kaffee-Kochen alles mitgefilmt wird. Tagsüber hüpft man nackt in den See, spielt Karten, Kniffel oder trifft sich mit anderen Instagram-Pärchen um noch mehr Kaffee zu trinken. Man trägt weiße, hippe Klamotten, die für mich einfach viel zu unpraktisch erscheinen zum Reisen, die Haare sitzen immer top und überhaupt scheint alles fehlerlos zu sein. 

Doch dem ist in Wahrheit, im echten Leben nicht so. Unabhängig davon, dass auf diesen Instagram Seiten ein nahezu perfektes Bild geschaffen wird, das so in diesem Ausmaß nicht existiert, ist das Reisen als Pärchen im Bus nicht immer beige, sonnenstrahlen durchflutet und parken an einem einsamen, Natur-umsäumten Plätzchen Erde. Ganz im Gegenteil. Deswegen dachte ich mir, es wird Zeit, niederzuschreiben, wie das Leben und Reisen als Paar in einem Campervan wirklich so abläuft.

Ich kann mich noch gut erinnern als wir 2018 unseres ersten Camper ausbauten, bevor es open end die Küste entlang zum Surfen ging. Plötzlich poppt ein Blogartikel auf: “Vanlife as a couple: it either breaks you or it makes you!” Und ja, das Leben auf lediglich 6m² hat uns ganz schön herausgefordert und unsere Beziehung mehr als nur ein mal auf eine harte Probe gestellt. 

Das ist zu wenig Platz!

Nach über 3 Jahren Vanlife on/off kann ich ein Lied davon singen, welche Vor- und Nachteile man als Paar beim Reisen im Campervan durchleben darf. Einerseits kommt man sich so nah wie sonst nie. Schließlich gibt es in den meisten Mini-Vans lediglich einen Raum. Natürlich sind wir viel draußen in der weiten Natur oder am Meer. Andererseits sind wir immer noch Individuen und brauchen unseren Freiraum – jeder für sich. Regnet es dann ein paar Tage, dann merkt man schnell, dass Rücksicht nehmen das A&O ist. Ich würde fast behaupten, dass für die zweite Person mitgedacht werden muss. 

Hier ein kleines Beispiel dazu: In einer Wohnung würdest du selbst in die Küche gehen, um dir dieses oder jenes zu holen. Im Bus befindet sich eine Person zumeist in Reichweite der Küche. Du könntest also aufstehen, dich beim anderen vorbei-drängen und dir selbst deinen Wunsch erfüllen, oder den anderen einfach darum fragen. Bei uns entwickelte sich dieses “Könntest du mir, … Reich mir bitte” zu einer regelrechten Plage, weshalb wir uns, wenn wir zur Zwischenmiete in einer Wohnung waren, die Regel aufstellen mussten, uns nicht gegenseitig ständig um etwas zu bitten. 

Einen Rückzugsort gibt es quasi nicht. Natürlich kann sich eine Person mal in den Fahrerbereich verkrümeln oder wie in unserem Fall ins Aufstelldach. Doch die meiste Zeit verbringt man miteinander und dabei sehr eng aneinander. Der große Vorteil davon ist, dass man sich wirklich in- und auswendig kennt. Mit all den tollen und den etwas anstrengenden Eigenschaften. Deshalb ist es wichtig offen und ehrlich miteinander zu sprechen, wenn etwas stört. Dabei sollte nicht wertend sondern möglichst neutral miteinander gesprochen und konstruktiv, gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden. 

Reist man zu zweit in einem Camper, so muss der bereits sehr beschränkte Stauraum auch noch durch zwei geteilt werden. Unsere Garderobe ist sehr minimalistisch, doch was viel Platz einnimmt sind unsere Surfboards und Wetsuits. Da ist es fast schon ein running-gag bei uns, dass Andi drei, ich “lediglich” zwei Wetsuits besitze. 

Abstriche machen, Kompromisse eingehen

Nicht nur der Stauraum wird geteilt. Auch jedes noch zu kleine Geheimnis kommt ans Tageslicht: Wird die Kaffeetasse nicht gleich abgewaschen (Kathi) oder die Socken liegen mal wieder herum (Andi) so fällt diese “Unordnung” auf kleinstem Raum rasch auf. In einem Camper ist es nämlich nie wirklich so sauber aufgeräumt, wie du das auf deiner Pinterest-Inspirations-Wall abgespeichert hast. 

Wir haben alle unsere kleinen Macken. Kennen wir und unser Partner diese und sind uns dessen bewusst, lässt es sich besser damit umgehen und darauf Rücksicht nehmen. Niemand muss sich verändern und anpassen, aber Kompromisse einzugehen ist beim Reisen mit Camper ein wichtiges Learning. 

Etwas, das mir erst vor kurzem so richtig klar wurde ist, dass alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Eine Person muss aufs Klo? Gut, dann muss die andere den Bus verlassen (sollte es keine Nasszelle geben, wie bei uns). Jemand hat Hunger? Gut, dann wird jetzt gekocht. Einer von uns möchte Freunde treffen? Okay, lass uns den ganzen Bus zusammenpacken und losdüsen. Ein heißer Tipp dazu: Hilfreich bei kurzen Distanzen kann es sein, ein Fahrrad mit zu haben. 

Eine Person ist krank und kann das Bett nicht verlassen oder bricht sich gar eine Hand und kann wochenlang nicht Kochen und Autofahren? Diese Momente waren wohl mitunter die herausforderndsten für uns, das Reisen und unsere Beziehung. Genauso viel schweißen eben diese zehrenden Tage auch zusammen. Wir lernten, dass wir, wenn es hart auf hart kommt, immer füreinander da sind, auch wenn das Bedeutet alles für eine weitere Person “mitzumachen” und darüber hinaus noch mehr Rücksicht als sonst zu nehmen.

Eines bereits vorweg: Früher oder später wird der Moment kommen, in dem einem oder beiden die Decke auf dem Kopf fällt. Dabei ist es wichtig sich gegenseitig Raum zu geben. Uns hilft es in hitzigen Situationen auch mal etwas alleine zu unternehmen. So bestärkt man anschließend das Gefühl wieder zueinander zu finden. Egal ob du dann ans Meer gehst für einen langen Solo-Spaziergang oder durch den Wald streift und die Energie der Bäume aufsaugt. Auch wenn es sich in diesem Moment vielleicht nicht zu 100%  richtig anfühlt, raus zu gehen und den Kopf durchlüften kann Wunder bewirken.


Tipps für ein besseres Miteinander im Campervan: 

  1. offen und ehrlich miteinander sprechen und konstruktiv Feedback ausarbeiten
  2. dem anderen auch mal Freiraum geben – etwas alleine unternehmen
  3. Aufmerksam beobachten, ob du hungrig, überfordert oder müde bist und in solchen Situationen keine Entscheidungen treffen.
  4. probiert das Campen doch einfach mal für ein, zwei Wochen aus, bevor ihr euch auf die monatelange Reise eures Lebens auf einem solch kleinen Lebensraum begebt.
  5. Bewegung, die Natur, gutes Essen und der Austausch – im echten Leben – mit anderen bewirkt Wunder!

Ein kleiner Nachtrag: 

Nehmt es mir nicht übel, dass ich in diesem Beitrag die Instagram Welt etwas überzeichnet darstelle, aber ich möchte damit unterstreichen, dass es sich nicht um das reale Leben handelt. Vergleiche dich nicht mit den inszenierten Bildern die nur einen minimalen Ausschnitt des wahren Lebens zeigen. Versuche viel mehr in der Realität zu bleiben und das zu tun, was sich von innen heraus gut anfühlt und nicht, was von außen gut aussieht. 

Hier noch mein Video für dich, mit dem Thema Als Frau Allein im Van: 

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