Noch nie in der Geschichte der Menschheit war Freiheit so ein wichtiges, pulsierendes Thema. Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, die Freiheit so zu leben, wie man möchte. Unsere Herkunft ermöglicht uns im Leben aus so vielen Optionen zu wählen. Gleichzeitig lässt uns genau diese Freiheit manchmal verzweifeln. Entscheidungsfreude vs. Entscheidungsdruck, Sicherheitsbedürfnis und der Drang nach Freiheit. Ja, auch mich beschäftigt dieses Thema sehr. Deshalb habe ich Thematik ein bisschen näher beleuchtet. 

Was ist Freiheit? 

Freiheit kann als Abwesenheit von physischem und psychischem Zwang bezeichnet werden. Doch was bedeutet das auf einer persönlichen Ebene für den einzelnen, also für dich und mich? In meinen Instagram Stories rief ich zu einer kleinen Umfrage auf: “Was bedeutet Freiheit für dich?” und die Antworten fassen mein persönliches Empfinden gut zusammen. Diese waren: “Nicht das Gefühl zu haben Erwartungen gerecht werden zu müssen.” “Die Möglichkeit das zu tun was man liebt.” “Das zu sagen was ich möchte, wann ich es möchte und mich frei in der Welt bewegen zu können.” “Immer ein Lächeln auf meinen Lippen zu tragen.” “Selbst entscheiden zu können wie und mit wem ich meine Zeit verbringe.” Um meine persönliche Meinung nicht geheim zu halten, möchte ich meine eigene Antwort dazu teilen: “Freiheit bedeutet für mich, meinen Tag frei einzuteilen, dem, was ich liebe Raum zu geben. So zu sein, wie ich bin. Ohne dabei Erwartungen von außen gerecht zu werden.”

Dieser Text ist von Katharina Maloun – @malindkate

Ein Oberbegriff, der mir sofort in den Kopf springt, ist ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Stichwörter, die wir zum Thema Freiheit assoziieren sind “Möglichkeit” “Entscheiden” “Tun, Sagen, Reisen … ein selbstbestimmt Leben.” 

Es bedeutet also, dass man frei ist zu tun, zu denken und zu sein wie, wo und wann man möchte. Gerade in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) trifft das (lassen wir Corona mal außen vor) weitestgehend zu. Natürlich gibt es die einen oder anderen Regeln zu befolgen, um in Frieden miteinander zu leben. (Und um Gesundheit zu gewährleisten/den Virus covid-19 nicht zu übertragen etc.) Aber im Großen und Ganzen leben wir in einer von Überfluss strotzenden Gesellschaft voller unendlichen Möglichkeiten. Und genau da liegt das Problem. Wenn wir all die Freiheit haben? Wieso nehmen wir uns diese denn nicht? Warum streben so viele Menschen nach mehr Freiheit, als sie bereits besitzen? Lasst uns, bevor wir darauf näher eingehen, das Thema Sicherheit kurz beleuchten.

Was ist Sicherheit?

Sicherheit kann als die Abwesenheit sowohl von Gefahr als auch von Risiko definiert werden. Für mich persönlich bedeutet Sicherheit Rückhalt, ein wohliges zuhause, Menschen, die da sind, Stärke und Vertrauen in sich selbst und finanzielle Unabhängigkeit. Natürlich habe ich auch diese Frage auf Instagram gestellt und habe unter anderem diese Antworten erhalten: “Ein Ort oder Moment in dem ich mich ohne jegliche Negativität wohl fühle.” “Feeling yourself, healthy and not afraid of any danger (crazy ppl, natural disasters)” “Having covered my basic needs and a partner/friend where i can truly rely on.” “Wenn ich mir selbst vertrauen kann, dass ich mir mit meinem Handeln nicht schaden werde.” “Sicherheit ist die Grundlage für Freiheit, was genau das bedeutet ist individuell. Sicherheit geben mir Freund, Familie aber auch Geld.”

Wohlfühlen und Vertrauen sind also zwei besonders wichtige Aspekte für die Erfüllung des Sicherheitsgefühls. Aber auch ein finanzieller Polster oder ein geregeltes Einkommen zählt dazu. 

Freiheit vs. Sicherheit

Betrachtet man die Maslowsche Bedürfnispyramide so wird bald klar, dass Sicherheit eines der Grundbedürfnisse ist, wohingegen Freiheit, wie wir sie verstehen, erst weiter oben gefunden wird. Man könnt sogar so weit gehen zu behaupten, dass die Defizitbedürfnisse, also die drei untersten Ebenen der Bedürfnispyramide, Sicherheit widerspiegeln, während die Wachstumsbedürfnisse grob Freiheit entsprechen. 

Davon leite ich ab, dass Sicherheit gegeben sein muss, um Freiheit darauf aufzubauen. Für mich fühlt es sich so an, als ob das eine nicht ohne dem anderen kann. Haben wir unser Grundbedürfnis nach Sicherheit gestillt, so verstärkt sich in uns der Wunsch nach Freiheit. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. Freiheits- und Sicherheitsbedürfnis stehen also in einem Spannungsverhältnis zueinander, und der Mensch bewegt sich in seinem Empfinden auf dieser Skala. Das kann sich im Laufe des Lebens sogar ändern. Ein ausgeglichenes Verhältnis ist die Lösung. Doch wie erreiche ich dieses?

Dem steht voran, sich die Frage “wie viel Freiheit möchte ich? vs. Wie viel Sicherheit brauche ich?” zu stellen. Dabei taucht zugleich die nächste Frage auf: Wie finde ich heraus, welche Balance die richtige für mich ist? Nicht so überraschend ist, dass die Antwort persönlichkeits-abhängig ist. Es gibt ganz unterschiedliche psychologische Denkmuster, die beeinflussen, wie viele Freiheit oder wie viel Sicherheit du in deinem Lebensabschnitt möchtest. Erziehung, Umwelteinflüsse und andere Glaubenssätze die vermittelt werden spielen ebenfalls darauf ein. Unglücklicherweise muss man immer etwas von einem aufgeben um mehr von dem anderen zu haben.

Betrachten wir die nun bereits ausführlich definierten Begriffe mit Hinblick auf uns selbst, so stellen wir fest, dass Wohlfühlen, Vertrauen und Geld (als Umlegung des Themas Sicherheit) mit einem selbstbestimmten Leben voller Möglichkeiten und Entscheidungen (als Interpretation der Freiheit) gegenüber steht. 

Mit immer mehr Arbeit, Terminen und Besitz steigern wir auf den ersten Blick die Sicherheit in uns. Doch gleichzeitig legen wir uns damit eine Art Kette an. Denn mit dieser Sicherheit sinkt die Bereitschaft Risiko einzugehen. Entscheidungen und ein selbstbestimmtes, freies Leben ist jedoch genau damit behaftet. Denn mit jeder Entscheidung die man trifft, fühlt es sich fast so an, als müsste man von etwas anderem loslassen. Dass das etwas gutes ist, muss manchmal erst gelernt werden. Auch ich musste diese Schule durchgehen. Entscheidungen als Optionen zu sehen statt als Risiko ist ein lebensverändernder Perspektivenwechsel, der einiges an Freiheit beschert. 

Meine Instagram Umfrage zeigt, dass die meisten zu einer 70-30 Ration Freiheit Sicherheit tendieren. Zwei Drittel der Antwortenden meinten, dass sie aktuell nach dieser Vorstellung leben würden. Das finde ich toll, denn so soll es auch sein. Ein Drittel wünscht sich mehr Freiheit in ihrem Leben. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen zu fragen, was die Betroffenen davon abhalten würde sich ihren Wunsch nach mehr Freiheit im Leben zu erfüllen. Die Antworten waren die Folgenden: “Geld, Sicherheitsdenken, Verantwortung wie z.B. Familie und die Angst zu versagen.” “Aktuell Corona” “Die Angst meinen Beamtenjob zu kündig und es später zu bereuhen” “Der Wunsch nach Sicherheit”

Zu viel Freiheit birgt nämlich ebenfalls ein in sich. Sehr hohe Erwartungen an sich selbst, die man möglicherweise nicht erfüllen kann, erhöhen wiederum den Wunsch nach Sicherheit. Diese Erwartungen entstehen durch gelerntes, den Blick ins Außen, dem Vergleichen. Dinge, die uns das Leben schwerer machen, als es ist. 

Meine persönliche Kette, die mich vor mehr Freiheit zurückhielt war zu Beginn besonders stark der finanzielle Aspekt. Außerdem hatte ich Angst vor der Gesellschaft “zu versagen”, anders zu sein, nicht hinein zu passen und später dann: nicht mehr zurückkehren zu können. Es brauchte Jahre, und dauert immer noch an, diese Glaubenssätze, die ich mir selbst fälschlich einredete, loszulassen, um das Leben zu führen, das ich jetzt habe. Ein interessanter Ansatz, der mich begleitet und mir geholfen hat mehr Sicherheit aufzugeben und freier zu Leben, war folgender: In meiner Welt steht “Arbeiten um zu Leben” im Vordergrund vs. Leben um zu Arbeiten als Gegensatz. Außerdem stelle ich mir, wenn ich vor einer schwierigen Entscheidung stehe die Sicherheit vs Freiheit widerspiegelt, gerne die Frage: “Was ist das schlimmste, das passieren kann?” Meistens ist die Antwort, dass ich wieder genau da sein würde, wo ich jetzt aktuell bin. Und das ist eigentlich gar nicht so schlimm.

Foto von @weiss_photo_vid

Warum halten wir also so an Sicherheit fest?

In traditionellen Haushalten mit klassischer bis altmodischen Erziehungsstil wird uns beigebracht einen sicheren Job zu haben, Geld sicher anzulegen, zu sparen, sich mit dem Kauf eines Eigentums fürs Alter abzusichern, vorzusorgen und mit möglichst geringem Risiko durchs Leben zu schreiten. Gerade in Zeiten wie diesen, mit einer Epidemie, Unsicherheiten mit dem und im Job, tendiert man wieder mehr zu Sicherheit.

Legen wir uns diese Erwartungen, diese Vorgaben selbst auf? Die Antwort ist jaein. Durch unsere Erziehung, durch unser Umfeld, durch die tief in uns verankerten Glaubenssätze haben wir eine gewisse Vorstellung davon, was richtig ist. Freiheit ist oft mit “anderssein” verknüpft. mit einem Ausbrechen aus Gewohntem. Mit Freiheit kommt Risiko. Freiheit verlangt also Mut. Mit Freiheit kommt Verantwortung. Viele Menschen wollen die Freiheit, aber sind bereit die damit einhergehende Verantwortung zu tragen. Hat man sie jedoch einmal gekostet, hat man den Sprung einmal gewagt und ist davon überzeugt, dass man es schaffen kann, so scheint es jeden Tag einfacher zu werden. 

Auch ich habe Tage an denen ich mit meinem Freiheits-Sicherheits Status nicht zufrieden bin und meinen großen Freiheitsanteil in Frage stelle. Als selbstständige, kinderlose, unverheiratete 32 Jährige, ohne festen Wohnsitz blicke ich mich manchmal um und erwische mich, wie ich mir mehr Sicherheit wünsche. Doch wenn ich wirklich genau überlege und mich selbst frage, ob ich dafür meine Freiheit aufgeben würde, heißt die Antwort aktuell nein. Ich habe meine Entscheidung zu Reisen, zu Surfen und selbstständig zu arbeiten nie bereut und tue es auch heute nicht. Natürlich spüre ich nach fast 5 Jahren des Reisens den Drang nach einem zuhause, einem Ort an den ich zurückkehren kann. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Letztendlich ist es immer unsere eigene Entscheidung wo wir uns auf der Balance zwischen Freiheit und Sicherheit wiederfinden wollen.