Lichtschutzfaktor, Wasserfestigkeit, Einziehfähigkeit – diese Kriterien bestimmen meistens unseren Kauf von Sonnencremen. Weshalb es aber noch andere wichtige Dinge zu beachten gibt, zeigt dir diese kleine Führung durch den nachhaltigen Sonnencreme-Dschungel. Denn sie haben nicht nur gute Eigenschaften, wie den Schutz vor Hautalterung oder Hautkrebs. Leider können Sonnencremen auch der Umwelt schaden. Als Wassersportler halten wir uns im Lebensraum der Meerestiere auf und somit ist es ein Gedanke wert, sich über nachhaltigen Sonnenschutz zu informieren, um unseren geliebten Erholungsort zu schützen.

Schon als Teenie ist mir mein Gotti in den Ohren gelegen: „Dini Huut verzeiht dir kein einzigä Sunnebrand!“ Auch heute noch höre ich ihre Stimme, so auch bei meinen Vorbereitungen für den bevorstehenden Trip nach Portugal. Ich wollte nicht irgendeine Sonnencreme kaufen, es sollte eine umweltfreundliche sein. In den letzten Jahren waren die Sonnenlotionen immer öfter in Verruf geraten, bei Menschen Allergien auszulösen und Korallenriffen zu schaden. Das ganze Thema hat Aufwind erhalten, als Hawaii als erster Staat verkündete, dass ab 1. Januar 2021 der Verkauf von Sonnenschutzmitteln, welche die Chemikalien Oxybenzon und Octinoxat beinhalten, verboten ist.

Aber beginnen wir mit dem Anfang:

2008 hatte eine Studie herausgefunden, dass ungefähr 14‘000 Tonnen Sonnenschutz im Meer zurückbleiben …eine ganze Menge Sonnencreme, die wir uns vor dem Surfen, Kiten, SUP-Paddeln etc. zum Schutz anschmieren. 2015 entdeckte eine weitere Studie zwei Übeltäter, die in den meisten Sonnenschutzmitteln enthalten sind: Oxybenzon und Octinoxat. Die beiden UV-Filter stehen in Verbindung mit der Korallenbleiche. 1 und 1 zusammengezählt: Unsere Sonnencreme landet im Meer und ist für Korallen schädlich, wenn nicht gar tödlich.

Was hat das Korallensterben mit Sonnenschutzmitteln zu tun?

Bleichen Korallen aus, bedeutet dies zwar nicht, dass sie gleich tot sind, jedoch sehr gestresst und können daher eher sterben. Die Korallenbleiche ist nämlich Grund Nummer 1 für das Korallensterben. So tragen die beiden UV-Filter schliesslich zur Zerstörung der Korallenriffe bei – nebst der Erderwärmung sowie Verschmutzung des Wassers.

Welche Folgen wiederum hat das Korallensterben?

Korallen sind ein wichtiger Lebensraum für Fische und Pflanzen. Sterben sie, beeinflusst das den gesamten Kreislauf, beziehungsweise das Ökosystem. Entfernter betrifft es auch uns Menschen, beispielsweise wenn Fischern dadurch ihre Nahrungs- und Erwerbsgrundlage verlieren, der Tauchtourismus verschwindet sowie auch der Schutz von Küsten vor Wellen verloren geht. Das Korallensterben zieht also einen ganzen Rattenschwanz nach sich.

Alternativen zu chemischen UV-Filtern

Nicht nur der Umwelt, auch unserer Gesundheit können Sonnencremen schaden. Hierzu erstmal ein kleiner Exkurs, wie „herkömmliche“ Sonnencremes funktionieren: Die Creme dringt in die oberste Schicht der Haut ein und die darin enthaltenen sogenannten chemischen UV-Filter wandeln gefährliche UV-Strahlung in ungefährliche Wärmeenergie um. Das Gefährliche: Chemische UV-Filter können sich zersetzen und so Reizungen auf der Haut und Allergien auslösen. Sie werden zudem verdächtigt, hormonell oder krebserregend zu wirken. In Naturkosmetika sind sie deshalb verboten.

Alternativen zu chemischen UV-Filtern sind mineralische. Deren Grundprinzip ähnelt einem Spiegel. Sie reflektieren die UV-Strahlen, so dass die Strahlung erst gar nicht in die Haut eindringt. Aber auch da wurden Stimmen laut, dass die bisher als unbedenklich geltenden Nanopartikel der Zink- und Titanoxide für Meeresbewohner und Menschen schädlich sein können. Es werden oft Mineralstoffe in Nano-Grösse verwendet, da dann die Creme auf der Haut nicht weiss erscheint. Die ganz kleinen Partikel können jedoch in höherer Konzentration von Meeresbewohnern absorbiert werden. Zum Schutz kann bei mineralischen Sonnenlotionen darauf geachtet werden, dass das Zink oder Titanium keine „nano-sized“-Partikel beinhaltet und als „non-nano“ ausgewiesen ist.

Checkliste zu „No-go-Inhaltsstoffen“ beim Kauf von Sonnencremen

Kaufst du die nächste Sonnencreme, halte in der Liste der Inhaltsstoffe Ausschau nach den folgenden zwei O’s von UV-Filtern Oxybenzon und Octinoxat (Octyl methoxycinnamate). Sie alle sollten zum Korallenschutz nicht in Sonnencremen enthalten sein.

Achtung, Oxybenzon und Octinoxat sind auch in vielen Feuchtigkeitscremen, Primern und Foundations mit Lichtschutzfaktor enthalten. Zudem ist der Ausdruck „reef-friendly“ nicht geschützt und kann verschieden „interpretiert“ werden. Deshalb ist die sicherste – und leider auch aufwändigste – Lösung, die Inhaltsstoffe selbst zu checken.

Beispielsweise folgende Sonnencremen sind frei von Oxybenzon und Octinoxat:

Aber auch hier gilt – checke nochmals das jeweilige Produkt dieser Anbieter.

Nebst Inhaltsstoffen gibt es weitere Punkte, die du beachten kannst, um die Natur generell zu schützen:

  • Mikroplastik vermeiden (à auf der Inhaltsliste als Tinosorb S Lite Aqua aufgeführt)
  • Keine Sprays – aufgrund deren schädlicher Treibgase (à Erderwärmung sowie gefährlich, wenn sie eingeatmet werden)
  • Verpackung: recycelte oder recyclebare Materialien (z.B. Karton) oder dass das Unternehmen zumindest versucht Plastik zu reduzieren

Schutzmöglichkeiten ohne Sonnencreme

Das mit diesen Chemikalien ist ganz schön verwirrend und aufwändig. Nebst Sonnencremen gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, sich vor der Sonne zu schützen:

  • Unsere Haut hat einen natürlichen Sonnenschutz, der sich je nach Hauttyp sowie Bräunungsgrad zwischen 10 und 30 min (und mehr) unterscheidet. So kann man erstmal ohne Schutz kurz ins Wasser und sich danach erst eincremen. (Achtung: Man sollte sich generell genügend früh vor dem Wasserkontakt eincremen – auch bei wasserfester Lotion).
  • Ziehe ein Lycra (oder je nach Wassertemperatur einen Wetsuit/Springsuit etc.) und Hut an. Braun kannst du ja auch am Strand oder unterwegs an Land werden.
  • Weiche der prallen Sonne zu ihren stärksten Zeiten von 11 bis 15 Uhr aus.