Surf Etiquette Chixxs Edition
Viele von uns schaffen es vielleicht eine, vielleicht zwei oder drei Wochen im Jahr ins echte Line-up – ins salzige Wasser, weit weg von Bootsmotoren oder stehenden Wellen. Wobei es auch mir selbst gutgetan hat, diesen Text hier zu tippen und mich dem Thema Surf Etiquette etwas zu widmen.
Natürlich ist es mir wichtig, nicht einfach Copy-Paste weiterzugeben, was ich so lese, sondern diesen Text im ganz persönlichen Chixxs-Style zu kreieren. Denn JA – wir Frauen nehmen das Line-up anders wahr. Und JA – wir haben andere Themen, Bedürfnisse und Ängste, die ich hier gerne mit dir teile. Vielleicht hilft dir dieser Text, dein nächstes Saltwater-Erlebnis etwas entspannter zu starten. Vielleicht wird es da auch mal einen Moment geben, in dem du mit jeder Menge Humor an meine Zeilen zurückdenkst. Wer weiss. Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spass beim Lesen!
SALZWASSER-HASSLIEBE
Du bist nun angekommen, stehst am Surf-Spot mit deiner Ausrüstung – vielleicht mit, vielleicht aber auch ohne Coach:in. Die Vorfreude ist riesig, die Unsicherheiten jedoch auch. Denn dein Heimatort ist die Schweiz, wobei du Salz vor allem zum Würzen in der Küche nutzt und ganz sicher mehr Auskunft zur Tourenplanung auf Skitour als zum Swell geben kannst.
Darum: Hey, sei lieb zu dir selbst. Setze dir kleine Ziele, pflege deine Freude am gesamten Erlebnis und zelebriere alles davon. Bevor wir jedoch zu den bekannten Surf Etiquettes kommen, verschaffen wir uns erst einmal einen Überblick. Dabei stelle ich mir gerne folgende Fragen:
1 – Was weiss ich über diesen Spot?
2 – Wo wird am aktivsten gesurft?
3 – Wo ist das Line-up?
4 – Gibt es einen Channel (erkläre ich später noch), den ich zum Sparen von Energie nutzen kann?
5 – Gibt es Gefahrenzonen, die ich sehe oder von denen ich weiss? Falls JA – wo sind diese?
6 – Fühlt sich dieser Spot und die damit verbundenen Verhältnisse für mich gut an?
I know – es sind ganz schön viele Fragen, die mir hier durch den Kopf gehen. Wobei ich persönlich in diesen wenigen Tagen oder Wochen im Jahr gerne ein Coaching – im besten Fall von einer Frau – bevorzuge. Denn so kann ich meine Fragen bei einem Pro platzieren, bei jemandem, die hier zuhause ist.
Der sogenannte Wave Check findet bei mir jedoch nicht nur vom Land aus statt. Fühlt sich vom Land aus erst einmal alles gut an, nutze ich bei einem Beach Break – also einem Surf-Spot an einer Bucht oder an einem Strand – auch zuerst das Gefühl im Weisswasser ohne Surfboard. Ich gehe also ohne Surfboard ins Wasser, spüre mal rein, tauche unter den Weisswasserwellen hindurch, erlebe die Kraft und realisiere, was im Fall einer Waschmaschine ungefähr auf mich zukommen könnte. Ich schaffe Vertrauen, was mir unheimlich hilft, bevor ich meinen Weg ins Line-up suche und dabei wieder Freundin vom Salzwasser werde.


KURZER INPUT ZU GEAR
Bevor wir raus ins Line-up paddeln, möchte ich noch kurz das Thema Ausrüstung ansprechen. Denn JA – leider ist es ein Hype, möglichst schnell ein möglichst kurzes Surfboard unter den Füssen zu haben. Wobei ich aber empfehle, gerade wenn es nur wenige Salzwasser-Surfwochen im Jahr sind, lieber auf diesen Hype zu verzichten und etwas mehr Volumen und Länge zu feiern. Setze den Spass auch hier in den Vordergrund!
Dasselbe gilt bei Hard- oder Softtops – also ob dein Surfboard aus Schaumstoff/Kunststoff ist oder aus Fiberglas besteht. Auch hier gibt es Unterschiede, wobei vor allem deine Sicherheit und die Sicherheit der anderen Surfer:innen im Fokus stehen.
Denk daran: Es ist keine Schande, mit einem längeren Softtop im Line-up zu sitzen!
GRÜNE WELLEN
Nun ist also alles geregelt, wir fühlen uns wohl, sind gut ausgerüstet und bereit fürs Line-up. Welche Skills muss ich jedoch beherrschen, um ins Line-up zu paddeln und grüne Wellen zu surfen?
Hier eine kleine Checkliste:
1 – Du kannst mit einem kleineren Surfboard einen Duck Dive oder mit einem grösseren eine saubere Turtle Roll machen?
2 – Du kannst auch ein brechendes Set Wellen ausharren oder bewältigen, ohne dass du dein Surfboard loslässt und somit andere in Gefahr bringst?
3 – Du kennst die Vortrittsregeln im Line-up?
4 – Du hast die Skills, eine grüne Welle selbst anzupaddeln und zu surfen?
Für Punkt 4 ist wichtig zu sagen, dass „eine Welle zu surfen“ nicht unbedingt heissen muss, dass du sie stehst. Das kann auch bedeuten, dass du sie liegend surfst, auf den Knien oder halb stehend.

WAVE CHANNEL
Sogenannte Wellen-Channels zeigen sich dort, wo das Wasser wieder weg vom Land zurück ins Weite abfliesst. Manchmal sind diese gut erreichbar und sichtbar und können genutzt werden, um Energie beim Rauspaddeln zu sparen und die Fliessrichtung als Antrieb zu nutzen. Auch hier lohnt es sich, einen guten Moment abzuwarten und dann im Vollgasmodus loszulegen.
PADDEL OUT
Beim Rauspaddeln ins Line-up solltest du ein Wellenset abwarten und die Ruhe vor dem nächsten für dich nutzen. Achte darauf, dass du nicht dicht hinter anderen paddelst, Abstand hältst und somit die Gefahr eines Zusammenstosses minimierst.
Bricht eine Welle vor dir, ist es deine Aufgabe, dein Surfboard zu halten und – je nach Skills und Surfboardgrösse – einen Duck Dive oder eine Turtle Roll zu machen. Dein grösstes Ziel in dieser oftmals beängstigenden Situation ist es, dein Surfboard bei dir zu behalten.
Dazu ist es ein NO GO, dort ins Line-up zu paddeln, wo andere ihre Welle anpaddeln. Umgehe den Peak und halte Abstand zu surfenden Personen.
LINE-UP
Endlich angekommen, heisst es zuerst einmal durchatmen und ankommen. Denn gerade an einem neuen Surf-Spot wird es nicht gerne gesehen, kaum im Line-up schon eine Welle anzupaddeln. Freunde dich zuerst mit allen anderen an oder zeige ihnen zumindest mit einem Lächeln, dass du sie respektierst.

Sei dabei nicht schockiert, wenn kein Lächeln zurückkommt. Die Surf-Community kann im Line-up manchmal echt etwas harzig oder auch rough sein. Lass dich davon nicht verunsichern und kreiere dir deine ganz persönliche Bubble – denn gemeinsam sind solche Momente einfacher.
Im Line-up hat immer diejenige oder derjenige Vortritt, die oder der am nächsten am Peak sitzt. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass meist mehrere Personen eine Welle anpaddeln. Die Welle gehört aber immer der Person, die am nächsten am Peak die Welle erwischt. Der Blick zum Peak, bevor du deinen Pop-up machst, gehört also immer mit dazu.
DON’T BE A SNEAK
In der Surfsprache reden wir von „Schlangen“, wenn jemand um dich herum paddelt, um eine Welle zu erwischen. Sei nicht diese Art von Person! Warte deinen Zeitpunkt ab und bleib fair.
DON’T DROP IN
Nimm nie eine Welle, wenn jemand anderes sie bereits surft. Natürlich gibt es hier Ausnahmen – zum Beispiel bei einer guten Kollegin, bei der du weisst, dass sie die Welle gerade ausfährt und es okay für sie ist. Oder falls du Teil einer Party Wave bist – party hard!
KOMMUNIKATION
Solltest du aus irgendeinem Grund einmal nicht diesen Regeln treu bleiben – weil du vielleicht die Wellen unterschätzt hast, kurz nicht bei der Sache warst oder die Angst überhandgenommen hat – dann reagiere genauso, wie du es dir von deinem Gegenüber wünschen würdest. Entschuldige dich oder suche den Austausch!
Ein super Video, welches alles zusammenfasst:
FOKUS SPASS
Vergiss bei allem bitte den Spass nicht. Surfen kann echt frustrierend sein. Es ist anstrengend, oftmals verbunden mit jeder Menge Paddeln ohne Erfolgserlebnis, blauen Flecken und Muskelkater. Endlosen Waschmaschinen, die uns hinterfragen lassen, warum man genau jetzt, genau hier ist.
Gleichzeitig braucht es aber nur diese eine Welle oder diese eine Surf-Session, die einfach funktioniert und wieder der Antrieb für viele weitere Waschmaschinen und Paddle-Sessions ist.
Nutze jeden Moment im Line-up für dich als Chance, als Erfahrungswert, der zu deinem Erfahrungsschatz wird. Geniesse diese wundervolle Kraft der Natur und erlebe sie mit jeder Menge Ehrfurcht.
Und ganz wichtig: Denk daran – das Ziel ist es, möglichst viele Wellen zu surfen. Wie du diese surfst, spielt jedoch keine Rolle!

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