Text: Katharina Maloun

“So kannst du doch nicht außer Haus gehen. Das macht man als Mädchen nicht. Sei doch einfach normal. Aber das macht doch jeder so, das gehört sich so!” Bereits in der Kindheit bekommen wir eingebläut: Norm ist, wie man sein soll. Daran soll man sich halten. Manche haben da strengere Eltern, andere sind glücklicher und die Erziehung ist offener und kreativer. Freier will ich fast sagen.

Doch es hat nicht nur mit der direkten Erziehung zu tun. Es zieht sich weiter in den Ausbildungsbereich und in durch Freundschaftskreis. Man tut das, was andere als gut erachten, um selbst besser dazustehen oder aber weil man selbst einfach nicht nachfragt. Sind wir uns mal ehrlich: wir waren alle schon einmal an diesem Punkt. und manchmal bemerken wir es nicht einmal mehr.

Der Rebell in dir selbst.

Doch wir spüren tief drin in uns, dass da etwas nicht richtig ist. Dass wir uns vielleicht gar nicht so anziehen wollen. Dass wir heute gar nicht feiern wollen. Dass wir eigentlich keinen Alkohol trinken wollen. Dass wir weite Hosen und Sneakers lieber tragen als enge Kurze und wir uns aus dem neuesten Tratsch eigentlich nichts machen. Dass wir vielleicht kein Fleisch essen wollen und dass uns das Meer ruft. Und da muss ja was dran sein, wenn einem die innere Stimme etwas sagen möchte. Also fragst du dich: was mache ich hier eigentlich und warum läuft das Leben so an mir vorbei?

Das Erwachen.

Denn irgendwann im Leben – früher oder später – kommt der Punkt an dem wir wahrnehmen, dass es unser eigenes Leben ist, dass wir leben. Nicht dass der anderen Menschen. Nicht dass der Menschen die uns sagen was wir machen sollen. Irgendwann im Leben kommt der Moment, an dem wir uns frei reissen und das tun, was uns glücklich macht. Aber was ist das denn eigentlich? In einer Welt voller Überflüsse ist die Auswahl immens. Kein Wunder, dass keiner weiß, was er denn eigentlich will. Das liegt nämlich nicht nur daran, dass es leicht ist immer den anderen das Ruder zu überlassen, sondern auch daran, dass wir vor lauter Reize gar nicht wissen wo wir anfangen sollen. Faulheit überragt den eigenen Willen. Doch für immer lässt sich dieser nicht unterdrücken. Und das ist gut so.

Das fängt bei kleinen Dingen an.

Die Haare und meine Klamotten so tragen, wie ich das möchte, nicht wie es mir von der Society vorgegeben wird. Mich in meinem eigenen Körper wohlfühlen und kleine Macken akzeptieren. Mir selbst Lob zuspreche und Liebe schenken. Einfach mal was neues Ausprobieren. Die Augen schließen, meditieren. Eine Yoga Stunde ausprobieren oder endlich Surfen lernen. Offen sein für andere Menschen und zuhören. Den Horizont erweitern. Schritt für Schritt ich selbst werden.

Tu es.

Das Neue ausprobieren. Denn mir ging es nicht anders, als ich 2015 auf meinen ersten Surftrip flog. Meine Freunde, Arbeitskollegen und Familie hatten alle nichts mit dem Brettsport am Hut. Keiner wollte mit mir mitfliegen. Aber irgendetwas rief nach mir und so bin ich einfach gegangen. Das selbe dann bald darauf mit Sri Lanka. Unbedingt wollte ich über Weihnachten und Silvester mal nicht im verregneten, kalten, dunklen Wien festsitzen. Und so zog ich einfach solo los. 3 Wochen auf einer traumhaften Insel. Allein. Getan habe ich genau das, was mir selbst am liebsten war. Was sich in dem Moment gut angefühlt hat.

Die richtigen Menschen.

Tut man mal das, was einem lieb ist, so lernt man schneller neue, tolle, inspirierende Menschen kennen, als man denkt. Denn sie teilen offensichtlich bereits eine Leidenschaft mit dir. Ich kann es kaum fassen, wie viele Mädels ich überall auf der ganzen Welt getroffen habe, die mir gesagt haben: ich musste da einfach alleine durch, aber jetzt, jetzt bin ich umgeben von Menschen mit der gleichen Passion. Neue Freunde zu finden ist nichts schlechtes. Keiner wird dir dafür böse sein. Im Gegenteil: Deine Seele wird es dir danken, denn durch den Austausch wird sie aufblühen.

Die innere Stimme.

Es sind aber nicht nur äußere Einflüsse, die dich in der Bequemlichkeit des Alltags festhalten. Es ist auch die Stimme in dir selbst, die sagt: “Aber was sollen die anderen denn von mir denken? Was wenn ich blöd dabei aussehe? Was wenn ich es nicht schaffe?” Der innere Schweinehund den es zu überwinden gibt. Dem man sagt: “Sei mal leise! Das stimmt so nicht, ich kann das schaffen!”

Im Endeffekt ist es wichtig wie du dich fühlst, nicht was andere darüber denken. Das fängt dabei an, dass es echt egal ist, ob du nicht Dehnbar bist, Yoga beginnt in dir selbst. Es ist nicht wichtig, ob du im Whitewash deinen Pop-Up übst. Jeder hat einmal hier vorne angefangen. Wichtig ist, dass du dich wohl fühlst, in dir selbst. Also lass die anderen reden und überwinde deine Zweifel.

Ich sage nicht, dass du als Rebell eine Anarchie starten sollst. Aber ein wenig umdenken, mehr Selbstliebe und dann noch mit Menschen, die dir ähnlich sind, das ist, wozu ich dich inspirieren möchte. Also tu es. Egal was andere dann von dir denken. Geh auf diesen Solo Trip, lerne zu Skaten oder zu Surfen. Engagiere dich lokal für die Umwelt oder für Benachteiligte. Wenn du einen Ruf hörst, dann folge ihm. Denn es ist dein Leben. Schließ deine Augen und frag dich: Was will ich in meinem Leben?

Fotos: Andreas Weiss / www.andreas-weiss.at