Ich möchte nicht lügen. Ein richtig schlimmes Wipe-Out, das kann dich mental und physisch ganz schön mitnehmen. Nämlich im wahrsten Sinne des Wortes. Es zieht dich runter. Es dreht dich in alle Richtungen. Du weisst nicht mehr, wo oben oder unten ist. Plötzlich spürst du etwas unter dir. Nein, war das über dir? Ist es dein Board oder ist das der Boden? Du verlierst die Orientierung und befindest dich in der sogenannten Waschmaschine.

Tausend Fragen tummeln sich in deinem Kopf nebst ganz schön viel Salzwasser. In denjenigen unter uns, die noch nicht so lange auf dem Surfbrett stehen, steigt schön langsam die Panik auf. Dann plötzlich spürst du Luft an einem Arm oder Bein, drehst dich, kommst an die Wasseroberfläche und saugst gleich mal alle Luft ein, das du bekommen kannst. Du hast überlebt. Aber noch bist du nicht ganz aus der Gefahrenzone heraus. Durch dein Wipe-Out, also dadurch, dass du die Welle nicht zu Ende gefahren hast, sondern vom Brett katapultiert wurdest, bist du nun in der impact zone. Das ist der Bereich, in dem die Wellen brechen. Es kann nun durchaus sein, dass noch einige Set-Wellen als Weisswasser- Walzen auf dich zurollen! Nun heisst es wiederum Ruhe bewahren und richtig handeln. Aber wie bleibt man in solch einer Stresssituation im Hier und Jetzt? Und wie verhältst du dich am besten, damit du sorglos wieder ins Line-Up kommst?

Zu aller erst ist es wichtig, dass dir klar ist, dass das Wipe-Out und das gefangen sein in der Gefahrenzone einfach zum Surfen dazu gehören. Es gibt keine einzige Surferin egal wie gut sie ist die noch nie ein Wipe-Out hatte und von der Welle unter Wasser gedrückt wurde. Es ist alles ein Teil des Lernens und wird auch den besten Surferinnen passieren. Es gehört einfach dazu.

Um noch einen Schritt weiter zu gehen, möchte ich dir mitgeben, dass du dir selbst nicht böse sein sollst, wenn es passiert. Im Gegenteil! Lerne es zu lieben. Denke niemals darüber nach, was nun andere von dir denken könnten. Und wenn es dir in den Sinn kommt, dann lass das gleich wieder los. Nimm etwas mit aus dem Erlebnis und überlege stattdessen lieber, was dich zum Wipe-Out geführt hat. War es ein Nosedive? Hast du es nicht um die Section herum geschafft? Hast du vielleicht einfach die Welle nicht richtig zu Ende gesurft und wurdest dann von der Lippe erwischt? Was immer es ist, genau darauf wirst du bei deiner nächsten Welle achten und es besser machen. Merke dir also: Jedes Wipe-Out ist eine Möglichkeit, deine Surf-Skills zu verbessern. Von dieser Perspektive aus betrachtet stehen die Dinge um eine Waschmaschine gar nicht mehr so schlecht, findest du nicht auch? Trotzdem gilt es, diese Situation zu vermeiden.

Fotos – Andreas Weiss

Es kann unterschiedliche Gründe haben, die zu deinem Wipe-Out führen. Genau diese gilt es herauszufinden und beim nächsten Mal zu vermeiden. So kannst du deinen Wipe-Out-count reduzieren. So kann es beispielsweise sein, dass du zu tief gesessen bist und die Welle zu knapp am Peak angepaddelt hast. Du solltest dich, wenn du während des Paddelns bemerkst, dass du zu nah am Peak bist, vielleicht gegen diese Welle entscheiden und das Board zurückziehen. Falls es dir möglich ist, kannst du natürlich weg vom Peak und bereits schräg in die Welle hineinpaddeln. Was passiert, wenn du zu tief gesessen bist? Du wirst sehr wahrscheinlich die Nose des Boards unter Wasser bekommen und so einen Nosedive hinlegen. Oder du schaffst es sogar bis an das untere Ende der Welle, aber dann nicht um die erste Section herum. Der schlechteste Ort für ein Wipe-Out ist der Peak, Spot X, the sweet spot, take off zone oder wie auch immer du diesen Ort nennen möchtest. Das ist der gefährlichste Moment zum Fallen. Aber keine Sorge, auch hier gibt es wieder einen Weg heraus.

Die erste Regel lautet: Don´t panic! Denn wenn du dich in solch einer Situation stresst, wird dich das viel Energie und Sauerstoff kosten. Das Wasser wird dich immer wieder auf Grund des Auftriebs nach oben lassen. Versuche also deine Energie zu sparen und nicht dagegen anzukämpfen. Was dabei hilft, ist einfach die Sekunden zu zählen. In den seltensten Fällen wirst du länger als 10-15 Sekunden unter Wasser sein. Das schaffst du ganz bestimmt. Relaxe und warte, bis das Set vorbei ist. Das heisst, in den meisten Fällen wirst du an einer Stelle verharren. Wenn du auf einem Shortboard bist, dann kannst du womöglich sehr rasch wieder hinaus ins Line-Up paddeln. Unterscheide jedoch hier zwischen Reef- und Beachbreak:

REEF: Hier ist es ratsam, zurück zum Channel zu paddeln und von dort wieder hinaus ins Line-Up. Allem voran deshalb, weil du dadurch viel Energie sparst. Sollte es sehr seicht sein, kannst du dir oder deinem Board durch Duck Dive Schaden zufügen.

BEACH: Für Beginner und Intermediate Surfer ideal zum Üben. Hier kannst du durch Duck Dive und Turtle-Rollen deinen Weg zurück ins Line-Up bestreiten. Auch bietet es sich an, sollte es dich heftig mitgenommen haben, dich von einer Welle Richtung Strand mitnehmen zu lassen. Geh kurz hinaus und besinne dich wieder.

WICHTIG: Halte dein Board nur dann parallel zum Strand, wenn du in der gefahrfreien Zone bist, nicht in der impact zone! Das bringt uns auch schon zur nächsten Frage:

Während dem Wipe-Out, dem Fallen, ist es wichtig, dass du das Board so weit wie möglich von dir wegschickst. Beim Auftauchen aus der Welle schütze deinen Kopf mit deinen Armen, um nicht von deinem Board oder den Finnen verletzt zu werden. Turtle-Rolls oder Duck Dive: Was auch immer passiert, versuche immer, das Board festzuhalten denn das Board schwimmt und wird dich daher wieder an die Wasseroberfläche bringen. Wenn absolut niemand hinter dir (in Richtung Strand) ist, ist es okay, dein Board loszulassen. Sei dir hier aber zu 100% sicher, sodass du niemanden verletzt. Im Idealfall führst du aber eine Turtle-Roll oder einen Duck Dive durch. Ausserdem ist es wichtig, dass die Welle nicht direkt auf das Board bricht, da die Wucht dein Board in zwei teilen könnte. Dasselbe gilt natürlich auch für dich selbst.

Es ist uns allen schon mal passiert, diese Situation, in der man in der Waschmaschine gefangen ist. Damit du dir ein besseres Bild davon machen kannst, dass du nicht alleine bist, gibt es hier ein paar Erlebnisberichte von anderen Surferinnen:

„Erfahrungen mit Waschmaschinen habe ich so einige. Da ich aber absolute Anfängerin bin, waren das bis anhin keine gravierenden Erlebnisse. Trotzdem ist es immer beeindruckend, diese Kraft der Natur zu spüren, wenn man mal wieder grässlich im Strudel ist. Ich finde es aber eigentlich noch eine gute „Schule“ – Wellen zeigen ja auch immer wieder auf, wie wundervoll und gleichzeitig mächtig die Natur ist. Wenn man sich dann in so einem Strudel befindet, spürt man das sehr gut und mir hilft es, dann nicht in Panik zu geraten, sondern kurz ruhig zu bleiben. Dann ist es meistens schon fast vorbei.“ Selina, Luzern

“Wenn ich ein Wipe-Out habe, versuche ich mit dem Meer und der Energie mitzuschwimmen. Ich versuche zu fühlen, wann das Meer es wieder zulässt, dass ich nach oben komme. Dann erst nütze ich meine Energie. Unter Wasser bleibe ich in einer Art Embryo-Stellung, schütze meinen Kopf. Ich versuche, mich in der Waschmaschine einfach treiben zu lassen und Energie zu sparen, sodass ich dann mehr Energie habe, wenn ich wieder aufs Brett gehe und lospaddle. Ich versuche mit dem Meer zu sein, anstatt gegen das Meer zu arbeiten.” Manu aus Deutschland, die jetzt an der Algarve, Portugal lebt

Wichtig ist nicht zuletzt, dass du einen Plan hast, was du machen kannst, wenn es passiert. So ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass du in Panik ausbrichst, niedriger. Je öfter du die Situation erleben wirst, desto gelassener wirst du damit umgehen können. Übung macht den Meister und du wirst aus deinen Fehlern lernen.